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Vogelnester

Viel Enttäuschung über innerkirchliche Prozesse und Struktur-Debatten hatten mir Menschen anvertraut. Bei vielen spürte ich eine gewisse Hoffnungslosigkeit. Mir kam die Frage: Wo können die vielen positiven Erfahrungen, die wir im Netzwerk go4peace mit vielen jungen Menschen machen dürfen, ihren Platz finden? Ich las das Sonntags-Evangelium. „Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Senfkorn. Es ist das kleinste der Körner und wächst zu einem großen Baum empor, so dass sogar die Vögel in seinen Zweigen nisten können.“ Dieses Wort ermutigte mich, unseren Weg weiterzugehen und unsere Erfahrungen weiterhin zu teilen.  Einen Tag später erreichte mich ein Brief aus Frankreich. Er kam von einem schwedischen lutherischen Pastor. Er verbrachte einige Tage mit einigen jungen erwachsenen aus seiner Pfarrei in Taizé. Er schickte mir genau dieses Wort vom Senfkorn! Und so las ich erneut, dass in der ausgewachsenen Pflanze des Senfkorns Vögel ihre Nester bauen und  Schatten suchen. Wie viele „Zugvögel dieser Zeit“, so nenne ich die junge Generation gerne, hatte in den vergangenen Monaten auf den Zweigen unseres Baumes Halt gemacht und Ermutigung für ihr Leben finden dürfen.

Am letzten Schultag

Der Leiter einer großen weiterführenden Schule rief mich an: „Stell dir vor, gestern hatten wir eine große Konferenz für Schulentwicklung in unserem Stadtteil. Viele Verantwortungsträger der Stadt und der Schulen waren gekommen. Nebenher auch einige Schüler meiner Schule. Auf die Frage, was sich die Jugendlichen auf Zukunft hin an unseren Schulen wünschen würden, kam die Antwort, keinen blassen Schimmer zu haben, wofür das Abitur gut sei. Es ginge doch darum, das Gesamt des Lebens in Blick zu bekommen, es bräuchte eine Wochenstunde, wo es um Lebensführung ginge. Und dann erzählten sie von navi4life. Das wäre total super, aber eben mit zwei Stunden viel zu kurz gewesen. Es wäre sehr sympathisch rüber gekommen und hätte ihnen viel gebracht. So was bräuchte es als Wochenstunde. Bis auf mich kannte niemand deinen Namen und „navi4life“, so dass ich ganz engagiert davon erzählen konnte. Stell dir vor: navi4life wurde in dieser hochoffiziellen Runde von unseren Jugendlichen eingebracht, die ihr so tief berührt und erreicht habt. Ja und noch eins oben drauf: Heute kamen zwei Sechstklässler (!) zu mir und sagten: ‚Das ist total gemein, dass wir navi4life noch nicht machen können. Das muss anders werden.‘Wir wollen doch auch ins Leben finden.“ Was für ein Geschenk am Ende dieses Schuljahres.

Ein Abend für Afrika

Während der Ferienzeit haben wir seit einigen Jahren einen Priester aus Nigeria als Urlaubsvertretung.  Am Dienstagabend hatten wir kurzfristig unsere Gemeinde zu einem Afrika-Abend eingeladen. Einige Leute hatten afrikanisches Essen vorbereitet.  An diesem Abend fand sich eine bunte Gemeinschaft zusammen. Menschen aus verschiedenen afrikanischen Ländern, einige Jugendliche, Alteingesessene. Alle saßen bunt gemischt an den Tischen, ein Bild, was ansonsten in unserer Gemeinde selten zu sehen ist. Nach dem Essen erzählte der Priester noch von seiner Arbeit in Nigeria. Menschen spendeten spontan für seine Arbeit. Mit dem Erlös wird er Familien in seinem Heimatland unterstützen. Er war sehr glücklich und dankbar. Wie gut, dass wir diesen Abend realisieren konnten. Neue Beziehungen untereinander sind gewachsen und zudem noch eine Nähe zu Nigeria.

Ein Glas Wasser

Es war heiß, sehr heiß. Die Hitze stand in den Fluren der Schule. Mit Jugendlichen – kurz vor dem Abi – hatte ich gute und gewinnbringende Zeit mit navi4life verbringen können. Der zweite Kurs schloss sich nahtlos an. Die Schüler kamen aus über 20 Ländern der Erde. Ein junger Mann mit Bart fiel mir auf. Schnell fasste er Vertrauen zu mir. Behutsam fragte ich nach seinen Zukunfts-Ideen. Er begann zu erzählen – vor der ganzen Klasse. Er war als unbegleiteter Minderjähriger mit acht Jahren nach Deutschland gekommen, hatte in einem Kinderheim und dann in einer Familie gelebt. Die Frage nach seinem Glauben war ihm ins Herz gekommen. So hatte er ein Jahr lang den Koran studiert und Arabisch gelernt. Ich ließ ihn verstehen, wie sehr mich das Zeugnis seiner so ehrlichen Suche nach Gott berühre. Ich spürte ein tiefes Glück in seinen Augen. Als wir im Kursverlauf weitergingen, stand er auf und kam nach wenigen Augenblicken wieder und brachte eine Flasche Wasser und ein Glas. Seine wachsame Konkretheit rührte mein Herz.

Ernte

navi4life – gleich zwei Durchgänge an einem Tag – und das an einer Brennpunktschule. Mit vielen persönlich geteilten Erfahrungen hatte ich den Eindruck, dass wir die Herzen der Jugendlichen, gerade in der Oberstufe angekommen, erreicht hatten. Ich hatte noch die Evaluation zusammen gestellt und war erfreut, wie viel Konkretes die Jugendlichen gelernt und rückgemeldet hatten. Und dann erreichte mich kurz vor Mitternacht noch die Botschaft des Rektors: „Die Jugendlichen waren total begeistert. Das zeigen sehr eindrucksvoll die Ergebnisse der Evaluation. Einige Schüler waren heute bei mir und haben sich bedankt, dass die Schule Ihnen navi4life ermöglicht hat. Stell dir vor: Sie möchten navi4life als einstündiges Unterrichtsfach einführen und wollten wissen, ob so etwas geht. Ihr habt wirklich die Herzen der jungen Menschen erreicht. Was für ein großartiger Erfolg….. Tausend Dank dafür, dass du unermüdlich an unserer Seite stehst. Es macht mich so glücklich, die strahlenden Augen unserer Schüler zu sehen und es macht mich sehr glücklich, dass wir uns begegnet sind.“

Anspannung war zu spüren.

Ein Überraschungstag für zwei Schulklassen war angesagt. Die meisten der Achtklässler waren muslimischen Glaubens. Den Lehrenden war es nach einem negativen Vorfall während einer Klassenfahrt wichtig, den Schülern Wege zu eröffnen, sich mit kultureller und religiöser Vielfalt auseinanderzusetzen. So hatte ich sie zu einer Kirchenführung eingeladen. Die erste Klasse kam an. Ich empfing sie sehr herzlich vor der Kirche. Anspannung war in den Augen der Lehrer*innen zu spüren. Ich hatte mir vorgenommen, viele persönliche Erfahrungen, die ich mit muslimischen Gläubigen gemacht hatte, zu teilen. Innerhalb weniger Augenblicke, entstand so ein Klima hoher Aufmerksamkeit und tiefen Vertrauens. Die Jugendlichen begannen Fragen zu stellen, nach dem christlichen Glauben und nach verschiedenen Gegenständen in der Kirche. Eine unerwartete Freude und Leichtigkeit wuchs. Zum Abschluss lud ich sie in ein großes Zelt ein, das in unserer Kirche steht und las das Gebet einer Muslima vor, das sie mir anvertraut hatte. Heilige Augenblicke. Ich lud alle Anwesenden ein, noch ein Wort auszusprechen, das sie jetzt im Herzen spürten.  Eine Lehrerin begann: „Erleichterung“ – die Jugendlichen nahmen den Ball auf: „Dankbarkeit“ – „Erstaunen“ – „Freude“… Dann verabschiedeten wir uns. Nach wenigen Augenblicken kam drei Mädchen nochmals zurück in die Kirche. Unter ihren Kopftüchern strahlten mich sechs Augen an: „Wir wollten dir nochmals DANKE sagen, es war so schön mit dir!“

Vertrauen war gefragt.

„Kannst du einen Friedensimpuls für unser Lehrerkollegium mit 180 Personen halten?“ war ich gefragt worden. Viel Vertrauen war in den vergangenen Monaten zu vielen Mitarbeiter*innen einer weiterführenden Schule gewachsen. So sagte ich gerne zu. Aufgrund der hohen Hitze wurde die Konferenz kurzfristig als digitale Konferenz angesetzt. So saß ich mit dem Leitungsteam der Schule in einem Raum vor einem Laptop. Als ich meine PowerPoint-Folien durchklickte, konnte ich kein Gesicht der Zuhörenden sehen, nur meine Folien. So konnte ich keine einzige Reaktion wahrnehmen. Ich spürte, dass allein mein Vertrauen angefragt war. Ich erzählte ins Dunkel hinein, sehr persönlich und ermutigend. Als ich endete blieb ein Gefühl der Unsicherheit. Am Folgetag durfte ich in einer Voicemail hören: „Danke auch für deinen gestrigen Gastbeitrag in unserer Gesamtkonferenz. Das hat unter uns Lehrern für sehr viel Interesse und Begeisterung gesorgt. Wir freuen uns sehr auf unsere nächste Begegnung.“

Gerettet!

Ich war an einer weiterführenden Schule unterwegs. Bis zu einem vereinbarten Gespräch mit einigen Lehrern blieb noch ein wenig Zeit. Ich setzte mich ins Schüler-Café. An einem Tisch saß eine junge Frau aus Nigeria. Wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte von mir, wie ich als 18-Jähriger auf der Suche nach meinem Lebensweg gewesen war und was mir geholfen hatte, Klarheit zu finden und aufzubrechen. Die junge Frau fasste schnell Vertrauen und ließ mich wissen, wie sehr sie Angst hatte vor dem Augenblick, wo die Schule vorbei war und sie ihr Abi in den Händen halten würde. „Ich hab noch keinen blassen Schimmer, was ich dann machen werde!“ Über eine halbe Stunde sprachen wir miteinander. Abends schrieb ich dem Sozialarbeiter der Schule, er solle die Abiturientin grüßen und sie wissen lassen, dass meine Gebete sie begleiteten. Wenig später kam die Antwort. „Marie sagte: Euer Gespräch gestern hat ihren Tag gerettet. Sie freut sich sehr über deine Gebete und betet ihrerseits für dich!“

Unerwartete Zeit

Ungeplant musste eine Mathearbeit nachgeholt werden und so galt es, die geplante navi4life Veranstaltung an einer großen Gesamtschule in ein neues Design zu bringen. Und plötzlich war in diesem so eng getakteten System Schule auf einmal Zeit. Ich hatte noch Kuchen mitgebracht. Wir saßen in einer kleinen Gruppe von Lehrern und Lehrerinnen zusammen. Zusehend wuchs Vertrauen. „Das Leben hat dich ja wirklich an die Enden der Erde gebracht. Gab’s da einen besonderen Augenblick, den du nie wieder vergessen wirst?“ wurde ich gefragt. Ich erzählte von zwei Monaten, die ich in einem Bunker in Sarajevo nach dem Krieg auf dem Balkan verbracht hatte, um den Jugendlichen der Stadt nahe zu kommen. Und ich erzählte von einer Nacht, in der ich in ein tiefes Loch fiel und alles, was ich da tat, in Zweifel zog. Es war schwer und tränenreich. Und ich erzählte, dass ich im Rückblick durch diese Erfahrung das Geheimnis des Weizenkornes verstanden hätte. „Ich hab nichts mehr gespürt, nur Kälte, Nässe und Dunkelheit. Kein Licht mehr. Keine Perspektive … Und heute steht an dieser Stelle das große Jugendzentrum Johannes Paul II. mitten im Herzen von Sarajevo.“ Als ich dann in die Augen des Fragenden schaute, spürte ich seine tiefe Dankbarkeit für dieses geteilte Leben.

Bedeutsam

Dankbaren Herzens hatten wir in einem schlichten und doch feierlichen Gottesdienst auf 40 Jahre Priestertum zurückschauen können. Menschen unterschiedlichster Couleur waren gekommen, Glaubende und Nicht-Glaubende. Es wurde ein Fest, an dem eine unsichtbare Gegenwart viele Herzen berührte und beim anschließenden Imbiss in Begegnung brachte. Zwei Verantwortungsträger aus dem schulischen Bereich waren gekommen. Am folgenden Tag traf ich den einen in seiner Schule. Im Trubel des Schulalltags standen wir eine knappe Minute auf einem der Flure zusammen. Unsere Augen begegneten sich. „Danke, dass du gestern mit dabei warst“, ließ ich mein Gegenüber noch einmal verstehen. „Das hat mir viel bedeutet!“ Ein paar Augenblicke inneren Schweigens folgten und dann durfte ich hören: „Der Tag gestern war ein total bewegender und bedeutsamer Tag für mich. Sehr, sehr bedeutsam. Ich habe Kirche erlebt, wie Christus sie vorgelebt hat, weltoffen - barmherzig - ⁠fürsorglich - ⁠ehrlich - ⁠zugewandt.“ Dann gingen wir auseinander.

Eine Voicemail

Wir hatten uns mit navi4life auf den Weg in den Kanton Aargau in der Schweiz gemacht und dort mit 8 Mitarbeitenden aus der Jugendarbeit einen sehr intensiven Workshop erleben dürfen. Firm4life war unser Thema, jungen Leuten als Kirche zu helfen, stark für ihr eigenes Leben zu werden. Eine große Offenheit hatten wir spüren dürfen und am Ende der gemeinsamen Zeit eine sehr hoffnungsvolle Stille. In der Frühe des nächsten Tages machten wir uns wieder auf den Heimweg. Abends durften wir in einer Voice-Mail hören: „Das Team, hat sich heute morgen gleich hingesetzt, das Übergangsjahr völlig neu aufgestellt und auch für die Firmung neue Module eingearbeitet. Ich habe sie stundenlang in unserem Sitzungszimmer gesehen mit euren Büchern und der firm4life-Mappe; sie waren am werken und haben neue Flyer gestaltet. Also euer Kommen und der so lebendige Workshop haben wirklich extrem etwas ausgelöst. Vielen Dank, dass ihr eigens so weit gekommen seid!“

Mein Herz wurde warm.

Eher zufällig trafen wir uns nach einem Gottesdienst. Sie waren ein Paar. Aufmerksam hatte die Frau meiner Predigt zugehört. Sie fragte nach meiner Arbeit. Ich begann zu erzählen, dass ich mich dafür einsetze, junge Menschen firm für ihr Leben werden zu lassen – und das auch in Brennpunkt-Schulen. Sie sollten eine Chance bekommen, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. Ich erzählte von einer Klasse, in der ich mit 95 % muslimischen Jugendlichen gearbeitet hatte. Die Frau ließ mich verstehen, dass sie auch Muslima war. „Ich war bei der Predigt, als du von Gott gesprochen hast, so tief berührt. Mein Herz wurde ganz warm!“ Dann schwieg sie, schaute mich mit großen Augen an. Augenblicke der Stille folgten. „Es hat so gut getan“, durfte ich noch hören, dann gingen die beiden. Ein Wort von Isaac dem Syrer kam mir in den Sinn: „Es gibt nur eine Sünde, kein Gespür für den Auferstandenen zu haben!“

Wir haben Nähe gespürt.

Zu späteren Jahren hatten sie sich entschieden, ihren gemeinsamen Lebensweg unter den Segen Gottes zu stellen und kirchlich zu heiraten. Aus ihrem Freundeskreis hatten sie eine stattliche Zahl sehr talentierter Musiker eingeladen. Beim Blick in die Kirche spürte ich, dass viele mit Gott und Kirche wenig Berührung zu haben schienen. Mir war es ein Anliegen, so gut es ging, alle unter dem Horizont der Feier ankommen zu lassen. So thematisierte ich kurz die Buntheit und Unterschiedlichkeit unserer Lebensüberzeugungen und bot allen als Namen Gottes „die große Gegenwart“ an, hatte sich Gott doch dem Mose als der „Ich-bin-da!“ geoffenbart. Plötzlich war eine aufnahmebereite stille Atmosphäre zu spüren. Die Trauung mit wunderbaren musikalischen Darbietungen wurde zu einem echten Fest der Herzen. Nach der Liturgie kam ich mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch: „Unsere Herzen sind so sehr angerührt“, ließen sie mich wissen, „denn als Sie von der ‚großen Gegenwart‘ sprachen, waren wir alle mit drin in diesem Geheimnis.  Wir haben Nähe gespürt. Wir sind so dankbar.“

Glücklich

Immer wieder kam sie in die leere Kirche und suchte die Stille. Irgendwann ließ sie uns wissen, dass sie gerne getauft werden wollte. Ich lud sie in ein Eiskaffee ein. Schnell fasste sie Vertrauen. Leicht war’s nicht in ihrer Kindheit gewesen, ließ sie durchblicken, aber sie hatte begonnen zu beten und fühlte, dass sie nicht allein auf ihrem Weg war. „Gott passt immer auf mich auf, das spüre ich!“ sagte sie. Die Schule hatte sie schon hinter sich und war jetzt auf der Suche nach einer für sie passenden Ausbildung. Sie hatte sich ein Gebetbuch besorgt und ich versprach ihr einen schönen Rosenkranz. Ich erzählte ihr von einigen anstehenden Großaktivitäten, bei denen sie gern mit dabei sein könne. Gern willigte sie ein. „Ich freue mich so sehr, dass ich dann junge Menschen kennen lernen kann, die auch glaubend unterwegs sind!“ Als wir uns verabschiedeten, sagte sie: „Oh, das war so schön. Ich bin richtig glücklich und ich spüre, dass sich da ein Weg auftut.“

Vor allem die Stadionkulisse

 

Auf der Kirchenmeile des Katholikentags in Würzburg war das go4peace-Netzwerk mit einem großen Stand „navi4life – Navigier dich ins Leben!“ vertreten. Jugendliche hatten die Möglichkeit, sich auf einem Audio-Parcours Fragen des Lebens zu stellen und im Vielerlei der Angebote in ein paar Augenblicken der Stille bei sich selber anzukommen. Am ersten Tag des Glaubensfestes kamen zwei Jungen. Sie waren so begeistert von dem Parcours, dass sie uns versprachen auch ihren Kumpel zu schicken. Am nächsten Tag steuerte ein junger Mann auf uns zu und rief: „Meine Kumpels fanden das navi4life-Angebot so cool, dass sie mich überzeugt haben, auch noch zu kommen!“ Als er aus dem Parcours kam, ließ er uns wissen: „Ich bin total bewegt. Echt cool gemacht. Vor allem der letzte Raum mit der großen Stadionkulisse hat’s für mich gebracht. Ich habe die vielen verschiedenen Gesichter gesehen. Jeder ist ein Original. Und dann zu lesen: ‚Du bist einmalig!‘ hat gut getan! Danke euch!“

Frieden konkret

Zwei Teenies hatten bei einem Aufenthalt in einem Schullandheim, sehr negative religiöse Gefühle gezeigt, hatten symbolhafte Gegenstände zerstört und Mitglieder einer anderen Religion zutiefst verletzt. Das galt es ins Bewusstsein der jungen Leute zu holen und aufzuarbeiten. Eine Lehrerin, der es sehr am Herzen lag, Brücken zwischen verschiedenen Weltanschauungen zu bauen, hatte mich kontaktiert. Im Austausch am Telefon kamen wir zu dem Entschluss, den Teenies die Erfahrung der Vielfalt religiöser Überzeugungen nahe zu bringen. Wenig später meldete sich eine weitere Lehrerin in dieser Angelegenheit. Wir fanden einen guten Weg, um die Jugendlichen unter neue Horizonte einzuladen. „Ich bin so glücklich, dass du sofort aufgesprungen bist!“ hörte ich die junge Lehrerin sagen. Frieden geht eben immer nur konkret!

Dankbar

Seit Jahren hatten sie den Wunsch zu heiraten, aber das Leben blieb herausfordernd, so dass sie immer wieder verschieben mussten. Jetzt war es soweit. Sie kannten und liebten einander seit über 15 Jahren. Eine kirchliche Hochzeit kam nicht unter ihren Horizont, aber sie hatten um einen Segen gebeten. Um die beiden die Liebe der Kirche unter ihrem Horizont erleben zu lassen, hatte ich zugesagt. In einem schönen Parkambiente fand die Feier statt. Ich versuchte in meiner Ansprache alle Gäste – mit und ohne Zugang zum Glauben – mitzunehmen. Nach der Feier, während die Gäste schon zum Sektempfang gingen, blieb das Brautpaar noch zurück. Mit Tränen in den Augen ließ mich der Bräutigam wissen: „Ich bin so gerührt. Ich habe mich so drin und angesprochen gefühlt, alles hat gepasst. Ich weiß gar nicht, wie ich DANKE sagen soll.“ Ich hielte die Hände der beiden und sagte: „Wisst ihr, wir haben es alle erlebt. Da war eine Friede unter uns, in den sich jeder eingewoben gefühlt hat. Für mich ist es der Friede des auferstandenen Jesus, den er uns versprochen hat.“ Schweigend und tief verstehend standen wir ein paar Augenblicke noch beieinander. Als ich dann der Brautmutter begegnete, sagte sie: „Es ist nur ein Wort, was ich immer wiederholen kann: ‚dankbar, dankbar, dankbar‘.“

Sternschnuppen

 

Ich stieg aus dem Auto, gedankenversunken. Nur schnell noch ein Geschenk einpacken und bei einer Familie vorbeibringen. Da fiel mein Blick auf einen Jungen, den ich schon seit Kleinkindertagen gekannt hatte. Mir kam der Impuls stehen zu bleiben und kurz mit ihm zu reden. Voller Freude nahm er seine Ohrstöpsel ab und schüttelte mir kräftig die Hand. Er machte gerade einen Spaziergang. „Ab und zu mache ich solche Gänge alleine, das ist dann immer gut, um über das nachzudenken, was mich gerade bewegt!“ Ich staunte über seine Reife und ließ ihn das verstehen. „Und was hast du gerade gemacht?“ fragte er. Ich hatte im Baumarkt ein kleines Geschenk für einen Handwerker eingekauft und zeigte es ihm stolz. Es war eine gestanzte Blechplatte mit einem coolen Handwerkerspruch. Als wir ihn lasen, mussten wir richtig lachen. „Wie schön, dass wir uns begegnet sind,“ sagte mir der junge Bursche und ging dann weiter seines Weges.

Spannungen waren zu spüren.

In einer kleinen Arbeitsgruppe waren Spannungen aufgetreten. Rollen waren nicht geklärt und so regierte das Prinzip: Der Stärkere setzt sich durch. Eine Sitzung stand an, in der vieles geklärt werden sollte. Zu später Stunde machte ich mich noch auf den Weg, um mit einem der Mitarbeitenden zu sprechen und über das Ergebnis informiert zu werden. In seinem Herzen spürte ich – bei allem Verständnis für die Situation – keinen Frieden. Er schien sich zurückziehen zu wollen. Geduldig hörte ich ihm zu, fragte nach und spiegelte ihm seine eigene Not. Als wir uns verabschiedeten, ließ er mich wissen: „Danke, dass du noch gekommen bist und dir so viel Zeit genommen hast. Unser Gespräch hat mich sehr bestärkt, nochmals die offenen Fragen und alles Ungeklärte mit Entschiedenheit und Klarheit zu benennen und anzugehen.“

Füreinander

Er war noch jung, spürte aber schon einen tiefen Hunger nach Leben und nach Gott. So hatte er in einer Begegnung mit jungen Leuten beim Projekt „navi4life“ mitgewirkt und hatte seine Rolle hervorragend gespielt und persönliche Erfahrungen erzählt. Wenige Tage später begegnete ich ihm in seinem Gymnasium beim gleichen Projekt. Bei einem Aufstellungsspiel war ihm ein Mitschüler aufgefallen, dem niemand geholfen hatte, seine Fragen nach Gott ins Gespräch zu bringen. „Aber ich habe seine Offenheit und seinen ehrlichen Hunger gespürt!“ ließ mich der junge Mann wissen. Am darauffolgenden Sonntag fand ein Zeltgottesdienst für junge Leute statt. Ich lud den jungen Mann ein. Er kam und erzählte: „Gestern Abend kam mir der Impuls, zum Zeltgottesdienst zu kommen, um für meinen Mitschüler auf seiner Lebenssuche zu beten!“ Als wir Fürbitten formulierten und dazu kleine Weihrauchkörner auf eine Kohle fallen ließen, spürte ich, wie innig dieser junge Mann für seinen Mitschüler betete. Ich war tief gerührt.