Zufall oder Fügung?

roettger_mechtildIn einer durch und durch katholischen Familie aufgewachsen, hatte ich immer einen engen Kontakt zur Kirche, bzw. zu Gott. Das Umfeld trug mich mit, aber dadurch plätscherte ich auch bisweilen an der Oberfläche, ohne mir tiefere Gedanken über mein Tun zu machen.

Ein Einschnitt, der mich mehr als sonst zum Nachdenken brachte, waren drei Krebsoperationen. Alles hat seinen Sinn, kann ich heute sagen. Ich haderte nicht mit Gott, vielmehr fühlte ich mich eher tiefer mit ihm verbunden.

Durch den Tod meines Mannes kam ich erstmalig in Kontakt zu Menschen, die intensiv das Wort des Evangeliums lebten. Das war etwas ganz Neues für mich, das ich zunächst nicht einzuordnen wusste. Schließlich stieß ich auf in unserer Kirche ausliegende kleine monatliche Kärtchen  mit einem ergänzenden Briefkommentar, der das jeweilige Wort des Evangeliums untermauer und mit Leben füllt. Das sprach mich an und der kurze einprägsame Text auf dem Kärtchen beschäftigte mich von da an bisweilen während des ganzen Tages. Die gewählten Worte aus dem Evangelium waren mir alle sehr bekannt, aber nun las ich sie aufmerksamer und bewusster.

Ich kann jetzt sagen: Das Leben hat für mich einen anderen, tieferen Sinn bekommen. Ich weiß, in Gott habe ich einen direkten Ansprechpartner gefunden, und ER zeigt mir auch immer wieder auf verschiedene Weise, wie ich gebraucht werde und sein Werkzeug sein kann. Das erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit IHM gegenüber.

Das Wort des Evangeliums bewirkt aber auch, dass ich mir mehr Gedanken über mein Tun mache und dass die Bedürfnisse anderer Menschen mehr in mein Blickfeld gerückt sind. Ich versuche, offener für meine Mitmenschen und ihre Nöte zu sein. Das bedeutet für mich, geduldig zu zu hören, Zeit zu haben, ihre Probleme, Fragen und Sorgen ernst zu nehmen. Aber das Wort des Evangeliums gibt mir auch Taf für Tag die Gewissheit, dass ich von Gott geliebt und angenommen bin.

Das monatliche Kärtchen hat einen festen Platz in meinen Gedanken und meinem Tun. Aber inzwischen beginne ich jeden Tag mit dem Lesen des jeweiligen Evangeliums.

Mechthild Röttger

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