Das Anrecht auf die Fahrkarte lag eindeutig bei mir!

hellinge_theresaDas Evangelium zu leben bedeutet für mich in erster Linie zu lieben. Wenn ich gut über jemanden denke, mit anderen teile, ehrlich mit meinen Mitmenschen bin, wenn ich jemandem  vergebe, mich versöhne… was ist das dann? Es sind alles verschiedene Arten und Weisen, einen Mitmenschen wertzuschätzen und ihn somit auch zu lieben. Diese Liebe zu leben und sie so weiterzugeben ist folglich das, was unser Leben als Christ ausmacht.

Wir Menschen sind geschaffen, um in Beziehungen zu anderen und zu Gott zu leben und die Basis dieser Beziehungen, und damit auch das wichtigste Element all dieser Beziehungen, ist die Liebe. Das gilt auch für die Beziehung zu Gott, denn ER ist es, aus dem wir die Kraft zum wahren Lieben gewinnen. Von ihm bekommen wir Liebe in einem solchen Übermaß geschenkt, dass wir sie schließlich auch weitergeben können, also in unser aktives Denken und Handeln umsetzen können. Haben wir das geschafft, leben wir schon ganz automatisch das Evangelium.

Klingt in meiner kleinen Beschreibung vielleicht zunächst recht einfach…ist es aber leider nicht immer! Wenn wir allerdings in kleinen Schritten versuchen, unsere Beziehung zu Gott zu leben, sie Schritt für Schritt aufzubauen, dann öffnen wir unsere Herzen immer mehr, um Gottes Liebe empfangen zu können. Wir werden so auch bereit, Jesu Worten Einlass in unser Herz zu gewähren und diese Worte anzunehmen. Wir lernen sie mehr und mehr zu verstehen und können ihre Bedeutung für unser Leben begreifen, bis wir sie schließlich leben können!

Ich weiß selbst, dass das alles nicht leicht ist und so manche Überwindung braucht, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich wirklich lohnt (man ahnt gar nicht wie sehr!!!), diesen Weg so zu gehen! (Vielleicht mag der eine oder andere ihn auch anders gegangen sein, was natürlich genauso gut ist.)

Im Dezember letzten Jahres, war es die Aufgabe, die zu dem Monatskärtchen formuliert wurde, ganz konkret zu lieben. Die Bibelstelle lautete: „Wohnt denn Gott wirklich bei den Menschen auf der Erde?“ (2 Chr 6,18) Ich nahm mir vor, wirklich zu lieben und damit Gottes Gegenwart unter uns Menschen lebendig werden zu lassen. Und wie gesagt, es ist nicht immer so ganz einfach!  An einem Nachmittag in den Ferien wollten meine Schwester und ich gerne beide in die Stadt fahren, das Problem war aber, dass wir nur die eine Busfahrkarte unseres Vaters hatten, die auch nur einer nutzen kann. Das bedeutete, eine von uns musste ihre beiden Fahrten zahlen, was dann insgesamt 9€ gewesen wären. Die sollten wir dann teilen, so dass jeder etwas zahlen musste. Ich hatte die Fahrkarte bereits in der Tasche und sah es überhaupt nicht ein, warum ich meiner Schwester Geld geben sollte. „Sie hat schließlich die Karte viel öfter als ich! Ihre Freundin hat sie gestern erst gesehen, und mehr Geld als ich hat sie zurzeit auch!“ dachte ich bei mir. Das Ganze begann mich mehr und mehr zu nerven! Jedenfalls sah ich mich im absoluten Vorrecht, die Karte benutzen zu dürfen, ohne irgendetwas zu zahlen.
So behauptete ich,  kein Geld mehr zuhause zu haben und auf das Jammern meiner Schwester hin, kratze ich ein bisschen Kleingeld zusammen, was ihr aber letztendlich nicht helfen würde. Dabei blieb es dann auch. Als wir dann aber im Bus saßen, ich weiter vorne, sie weiter hinten, tat es mir irgendwie plötzlich sehr leid, wie ich mit ihr umgegangen war und ich musste an mein Vorhaben und das Kärtchen denken. Ich dachte nach und rang lange mit mir selbst, bis ich es schaffte aufzustehen, mich zu ihr zu setzten und ihr einen 5€ Schein in die Hand zu geben. Danach fühlte ich mich wirklich einfach erleichtert, es war ein gutes Gefühl das Unrecht „aufgelöst“ und geliebt zu haben. Das ganze erhielt seine Krönung allerdings dadurch, dass ich mein komplettes Geld zurückbekam, da meine Schwester auf dem Hinweg gar nichts zahlen musste. Der Busfahrer (wer weiß, vielleicht hatte er ein ähnliches Vorhaben wie ich?) ließ sie umsonst mitfahren  und auf dem Rückweg wurden wir heimgebracht.
Es lohnt sich, also wirklich zu lieben, Liebe weiter zu schenken, das Evangelium zu leben! ..nicht zuletzt, weil man selbst dadurch auch beschenkt wird!

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