Ich bin glücklich!
Zu meinem Geburtstag war nur meine Familie eingeladen. Die kamen auch schon recht früh heute und gingen dementsprechend auch früh. Zu meiner großen Überraschungen kamen sogar noch zwei Freundinnen vorbei. Total schön. Hab mich echt gefreut!
Aber dann wurde es Abend. Ich merkte, dass mich irgendetwas total traurig machte. Ich kam nicht sofort drauf. Aber dann viel mir auf, dass mich am ganzen Tag keine Menschenseele angerufen hatte. Ich war total deprimiert. Besonders wenn ich daran dachte, dass andere ihren Geburtstag nicht genießen können, weil nur das Telefon schellt. Ich war so traurig, dass ich keine Lust mehr auf den Tag hatte. So hab ich mich einfach hingelegt und vorher noch gebetet. In meinem Gebet hab ich das dann auch vor Gott gebracht und dann das Licht ausgemacht. Aber mir ging der Gedanke so allein und irgendwie vergessen zu sein einfach nicht aus dem Kopf. Mit Grauen dachte ich an den nächsten Tag. Und dann plötzlich: Mein Telefon klingelt. Mir liefen voll die Tränen, weil ich mit allem gerechnet habe, aber nicht, dass mich jemand anruft. Und dann habt ihr mir alle noch persönlich aus dem Auto gratuliert. Was für eine Freude!
JM
Um das neue Semester und damit auch den Start der Vorlesungen einzuläuten, fuhr ich am Vorabend meines ersten Uni -Tages abends nochmal in die Stadt, um mit vielen anderen aus der Hochschulgemeinde zusammen die Heilige Messe zu feiern. Kurz bevor ich mich auf dem Weg machte, schrieb ich schnell meiner Zimmernachbarin – wir waren beide gerade online – die Nachricht, dass ich da heute Abend noch hin führe und sie mich nicht auf die Vermissten-Liste setzten müsse. Ihre Antwort lautete im Chat dann so: „dann mach das mal und bete für mich mit- falls ihr sowas macht“ und weiter dann „dafür hatte ich irgendwie kaum zeit, die letzten tage“. Sie hat noch eine Klausur vor sich, vor der ihr etwas Angst und Bange war.
Ein Dasein für andere!
Es war diesmal vielleicht nicht die typische aktive „helfende Hand“, die gefordert wurde. Es war einfach der seelische Beistand, den sie brauchte. Ich finde, dass das Gebet eine ebenso wichtige Rolle hat wie die einer aktiven, anpackenden Hilfe - wenn nicht sogar noch wichtiger.
Mein Telefon schellt. “Meine Frau hat sich umgebracht!” Nach über 10 Jahren höre ich die Stimme eine Mannes, den ich lange nicht mehr gesehen und gehört habe. Fassungslosigkeit. Ich erfahre, dass die junge Frau an Depression litt, die ihr alles Licht genommen hatten. Sie konnte nicht mehr leben... Was für ein Schmerz, für ihren Mann und die beiden Jungs. Wenige Stunden später bin ich bei der Familie. Wir treffen uns beim Beerdigungsunternehmer. Auch er ringt um Fassung. Wir alle stehen unter Schock, Tränen in den Augen - einander Nähe schenkend in dieser Situation der Sprachlosigkeit. Wir überlegen die Gestaltung der Todesanzeige, wir suchen einen Sarg aus... Das Leben muss weiter gehen - auch in diesem Dunkel. Drei Tage später die Beerdigung - noch gerade in der Osteroktav. Ich erinnere an die Texte des Ostermorgens. Die Engel im Grab sagen den ratlosen Frauen: “Erinnert euch an das, was ER gesagt hat!” - An welche Worte Jesu sollen wir uns wohl in diesem Dunkel erinnern? “Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt!” kommt mir in den Sinn. Und: “Wir sind vom Tod hinübergegangen zum Leben, weil wir einander lieben!” Nach dieser spürbaren Liebe, die allein die Dunkelheit ihrer Seele aufbrechen konnte, hat die Verstorbene sich gesehnt. Ihr verzweifelter Sprung war in aller Dunkelheit ein Suchen nach dieser Liebe. Eine Freundin der Verstorbenen singt: “Da wohnt ein Sehnen tief in uns.” Ja, das trifft es! Es ist allein die Sehnsucht nach dieser Liebe, aus der wir hervorgegangen sind, nach der wir uns immer sehnen und in der wir auch über den Tod hinaus verbunden sind. Diese Liebe - die in den Tagen des Todes oft im Miteinanderaushalten des Unfassbaren bestand - haben wir uns neu versprochen.
MW
In den vergangenen Tagen hatte ich einen Arzttermin bei einer Homöopathin, die gleichzeitig auch eine Ordensschwester ist und mit der ich einen Termin zur geistlichen Begleitung hatte. In unserem Gespräch hat sie mich gefragt, wie ich mir Gott vorstelle und vor allem, wo Gott für mich in meinem Alltag auftritt. Sie fragte mich das, weil ich echt an Gottes Gegenwart zweifelte. In diesem Gespräch ist mir aufgefallen, dass ER für mich schon in einem unerwarteten Lächeln oder einer lieben Umarmung, im Sonnenschein oder einem Regenbogen oder in geschenkten Aufmerksamkeiten meiner Mitmenschen "zum Vorschein" kommt.
Nach diesem Gespräch schaute ich auf mein Handi und las das Tagesmotto: ,,Lass dir die Augen öffnen für Jesu verborgene Gegenwart!" Das war für mich ein echter Wink Gottes. Da zweifele ich an Gott, führe ein Gespräch über die verborgene Gegenwart Gottes für mich im Alltag und dann kommt da das für mich zu 100% passende Tagesmotto!
Seitdem nehme ich mir abends immer 10 Minuten Zeit und überlege, wo mir am Tag Gott/Jesus begegnet ist. Passend dazu lese ich das Tagesmotto und bin immer wieder erfüllt.
LH