Ich bin glücklich!
Ich saß letzte Woche nach einem Schultermin am Ufer eines kleinen Flusses und wusste nicht wohin mit meinem Schmerz und meiner Angst. Mein Sohn ist immer noch krank und nächste Woche muss er Klausuren schreiben. Er ist aufgrund schwerer Erfahrungen zutiefst geplagt von Ängsten. Weiterhin ist mein kleines Patenkind aufgrund einer schweren familiären Situation so fertig mit der Welt, dass möglicherweise das Jugendamt zu Hilfe eilen muss, zumal eine anstehende Therapie noch Monate auf sich warten lässt. In solchen Augenblicken schaut’s sehr, sehr dunkel in mir aus. Aber wenn mich die Panik manchmal mit aller Kraft überkommt, lege ich sie in Jesu Hände und sie lässt wirklich nach. Es sind Hände mit Narben und merkwürdigerweise ist das tröstlich, weil er für uns durch dieses ganze unermessliche Leid gegangen ist und uns jetzt darin begegnet.
Nach einer Religionsstunde kam ein Mädchen zu mir, nachdem wir darüber gesprochen hatten, warum die Menschen von Jesus so begeistert waren und heute noch sind. Sie sagte: „Also, meine liebe Lehrerin! Weißt Du, Jesus ist echt der Beste überhaupt! Jetzt versteh ich endlich, wieso es überhaupt das Fach Religion gibt!“ – Als ich in das strahlende Gesicht des Mädchens schaute, dachte ich: „Mein Job ist echt ein Traum!“
Der Morgenimpuls am Fest Mariä Geburt war mir nachgegangen. Das Motto „Sei auf Empfang!“ war mir im Herzen geblieben. Ich traf zufällig eine junge Frau im Treppenhaus, grüßte sie und entschied mich, offen zu sein, falls noch etwas folgen sollte. Zunächst redeten wir über die Post, die wir erwarteten, dann sprach ich sie auf ihre frische große Narbe am Oberarm an. Daraufhin erzählte sie mir von ihrem Unfall vor wenigen Tagen. Ich merkte, wie gut es ihr tat, dass ich ihr anteilnehmend zuhörte. Bisher waren wir uns in dem Mehrparteienhaus noch nie so nahe gekommen. - Schön, dass "Maria-Sein" so schön sein kann!
Es war ein Tag, der schwer begonnen hatte. Ich hatte mit viel Kummer zu kämpfen. Ich bat Jesus um Trost und Hilfe, hatte in allem aber das Gefühl absoluter Hilflosigkeit. So fuhr ich zur Schule.
Ein Kind voller Intensität und Energie kam auf mich zugelaufen. Vor zwei Jahren war die Kleine aus Afrika gekommen. Als Christen hatten sie dort schlimme Erfahrungen durchmachen müssen. Nun war die Kleine in ihrem neuen Umfeld total angekommen.
Völlig unvermittelt fragte sie mich: „Liest Du eigentlich auch in der Bibel?“ Mit dieser Frage hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Als ich ihr erzählte, dass ich das das oft mache und gerade das Neue Testament noch einmal lese, rannte sie zu ihrem Platz und kam mit einem verzierten Notizbuch zurück. Darin hatte sie liebevoll in ihrer schönsten Schrift Bibelstellen aufgeschrieben. Als sie erfuhr, dass ich auch Bibelstellen aufschreibe, die mir viel bedeuten, strahlte sie mich vollkommen glücklich an. Wir beschlossen, dass ich sie ihr nächste Woche mitbringe und wir uns praktisch Gottes Wort gegenseitig schenken. Ich machte mit meinem Handy ein Foto ihrer Bibelstellen. Später las ich sie mir in Ruhe durch. Aus diesen Textstellen sprach so viel Trost, Liebe und Schutz Gottes, dass ich bis ins Innerste getroffen war. Es war, als ob Gott mein Gebet von heute Morgen durch die kleine Afrikanerin direkt beantworten würde. Ein Moment, in dem Ewigkeit anbrach.