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Ich bin glücklich!

In ihrer Familie waren Gott und Kirche kaum vorgekommen. Ihr Vater war schon früh nicht mehr da. Als Kind hatte sie eine Sehnsucht gehabt, wenigstens am Weihnachtsfest zum Gottesdienst zu gehen. Aber ihre Mutter hatte sich nie dazu entscheiden können. Die Flamme der Sehnsucht, mit Gott zu leben, war jedoch in ihrem Herzen nie erloschen. Im Gegenteil. Sie hatte immer auf ihre eigene Art und Weise mit Gott gelebt und sich in vielen Situationen betend an ihn gewandt.

Auch in einer schweren Krankheit war sie innig im Gespräch mit Gott geblieben. Ob ein normales Leben wieder möglich sein würde, war lange nicht klar. Eines Abends spürte sie den Impuls, sich voller Inbrunst an Jesus zu wenden. „Wenn es dich gibt, dich, an den ich immer geglaubt habe, dann hilf mir in meiner schwierigen Situation!“ In den nächsten Tagen spürte sie, dass es ihr wieder besser ging. Ihr Herz war auf einmal voller Vertrauen. Das ließ in ihr den Wunsch, einen engeren Kontakt zu Glaubenden in der Kirche zu suchen, neu aufflammen.

Sie rief mich an. Wir trafen uns nach einem Gottesdienst auf ein Eis. Lange sprachen wir. Wenige Wochen später gab sie all ihren Schmerz und alles Lastende in die Barmherzigkeit Gottes. Sie spürte einen Frieden, wie lange nicht mehr…

Als Jesus auf dieser Erde lebte, drängte es ihn, immer wieder an einsame Orte zu gehen, um allein zu sein. Dort verstand er in der tiefen Begegnung mit seinem himmlischen Vater, auf sein Herz horchend, seinen Weg. Es ist der Weg, ganz DU-selbst zu werden: Horch auf deine innere Stimme!

Jesus zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten. (Lk 5,16)

Seit über 20 Jahren stelle ich jeden Morgen ein kleines einprägsames Motto in deutscher und englischer Sprache zum Tagesevangelium in die  App go4peace. Ich weiß von vielen jungen Erwachsenen aus ganz Europa, die mit diesem Impuls leben. Vor einigen Tagen erreichte mich eine Botschaft: „Lieber Meinolf! Das Tagesmotto aus der App heute hat mich auf meiner Uhr erreicht, in einem Moment in dem ich mir nicht sicher war, wie ich mir selbst gerade helfen könnte. Ein vibrieren an meinem Handgelenk, schneller Check wer mir geschrieben haben könnte und da erscheint auf meiner Uhr: ‚Bleib bei Jesus!‘  Das war der Zuspruch den ich heute brauchte. Mich nicht von verwirrenden, Angst machenden Gedanken weg tragen lassen. Sondern mich auf Jesus fokussieren. Bei IHM zu bleiben! Und dann zu spüren wie er auch bei mir bleibt. Häufig zieht das Tagesmotto an mir vorbei, ich sehe es kurz auf dem Handy, manchmal spricht es mich an, manchmal weniger. Aber heute war es, als hätte Gott sich gedacht: diesen Zuspruch braucht sie heute! Die Funktion der App, täglich Zuspruch zu erhalten, ist wunderbar!“

In einer Mail durfte ich lesen: In einer menschlich schwierigen Situation waren wir einander begegnet. Sie hatte in ihrem Leben vieles falsch gemacht und fühlte sich deshalb wie der Abschaum der Gesellschaft. Ausgemachte Termine hatte sie oft kurzfristig abgesagt. Es war nicht leicht, mit ihr umzugehen. Nun kam sie unerwartet vorbei, weil sie in eine andere Region ziehen wollte. Sie ließ mich wissen: „Ich bin gekommen, um mich bei Ihnen persönlich zu bedanken! Sie haben an mich geglaubt und mir immer das Gefühl gegeben, dass ich ein Mensch bin, irgendwie wertvoll, trotz aller Fehler. Und dafür danke ich Ihnen sehr. Ich mag Sie sehr. Alles Gute und nochmal Danke!“ Mir standen Tränen in den Augen, strahlte hier doch – sich auf der Scherbe eines menschlichen Lebens widerspiegelnd - ein Stück Himmel auf.

Spontan kam mir ins Herz: Geh zum Friseur. Ich rief an und konnte sofort kommen. Seit langem bediente mich einmal wieder der Chef des Geschäftes. Ich kenne ihn seit Jahren. Er ist gläubiger Muslim und stammt aus einem nordafrikanischen Land. Ich erzählte ihm die Erfahrung, die ich beim Tod des Vaters einer jungen Muslima hatte machen dürfen. Fern von ihrer Heimat bot ich ihr Raum, in ihrer neuen Heimat ein Totengedenken für ihren Vater zu halten. Sie sagte zur und fand im Erzählen über ihren Vater in einen tiefen Frieden. Mit größter Aufmerksamkeit hörte mein Friseur mir zu. Ich sah, dass er bewegt war. Dann sagte er zu mir: „Weißt du, in den ersten Tagen des letztjährigen Ramadan ist meine Mutter bei uns zu Hause gestorben!“ Dann begann er, mir Schritt für Schritt ihrer letzten Lebenswochen zu erzählen, wie er leider bei ihrem Tode nicht hatte dabei sein können, aber wie er schon am Abend des Tages in seinem Heimatland war und wie sie als große Familie den Abschied gefeiert hatten. Wir sprachen über Frieden im Leben, über die Ewigkeit und über das Paradies. Das Haare-Schneiden dauerte deutlich länger als gewohnt. Am Ende sagte er mir: „Boh, wie gut das getan hat, einfach alles mal erzählen zu können. Das kann ich nur mit wenigen Menschen teilen.“ – „Ja, wofür Haare nicht gut sein können“, scherzte ich. Tief erfüllt verabschiedeten wir uns.