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Ich bin glücklich!

„Irgendwie fühle ich mich lost!“ hatte er mich wissen lassen. „Obwohl ich so viele Chancen hab, weiß ich gerad nicht, wie’s weiter gehen soll! – Ganz schön depri!“ Lange sprachen wir miteinander. Ich versuchte dieses Gefühl der Verlorenheit tief an mein Herz zu lassen. Was konnte helfen, wieder Mut zu fassen? Ich teilte das Märchen vom Wunderknaben: Schon in jungen Jahren hatte dieser die Geheimnisse der ganzen Welt erkannt. Irgendwann drängte es ihn, aufzubrechen, um Neues zu entdecken.  So ging er los. Immer wieder kam er an Weggabelungen, an denen er sich für eine Richtung entscheiden musste. Das fiel ihm schwer. Er hatte den Eindruck, durch die Wahl eines Weges den anderen ‚zu verlieren‘. Das machte ihn traurig. Als er sich am Ende seines Lebens erschöpft auf einen Stein setzte und zurückschaute, nahm er erstaunt wahr, dass er auf einem Berggipfel angekommen war. Er schaute über alles, auch über die Wege, auf die er verzichten musste. Erstaunt stellte er fest, dass er ein Leben lang aufwärts gegangen war.

Was allein zählt, ist aufzustehen und loszugehen. So war es auch dem Philippus ergangen, von dem die Apostelgeschichte erzählt. Ein Engel hatte ihn gedrängt, aufzustehen und loszugehen. (vgl. Apg 8,26) Übrigens: Mein junger Freund hat sich auch gewagt. Er ist mittlerweile zu einem Studien-Semester ins Ausland aufgebrochen. Also: Steh auf und geh los!

Ein Engel des Herrn sagte zu Philippus: „Steh auf und geh!“ (Apg 8,26)

Mit 14 Jahren war er unter einen Bus geraten und noch am Unfallort verstorben. Er war der älteste Sohn seiner Mutter, ihre rechte Hand. Fassungslosigkeit breitete sich aus in unserer Stadt. Ich besuchte seine Mutter. Wir hielten mit ihr und vielen Freunden das Unbegreifbare aus. Das Totengebet hinter einer Moschee und die Beerdigung auf einem muslimischen Gräberfeld bewegten mich sehr. Und doch begann für mich damit das Weihnachtsgeheimnis. An diesem Fest sagt Gott uns in Jesus: „Bin da – in diesem Kind. Bin einer von euch und freue mich über jeden, der kommt und dann auch da ist. Und so gilt meine Botschaft einem jeden: Gut, dass du da bist!“ Und so war es auf dem Friedhof. Ich war einfach da – mit vielen anderen – und in diesem immensen Leid durften ich in den vielen ehrlichen Gesten der Zuneigung spüren: Es ist noch ein anderer da, er, der uns versprochen hat, bei uns zu sein, wenn wir in SEINEM NAMEN, der Liebe ist, versammelt sind. Weihnachten – Mittendrin.

Über viele Jahre kannte ich sie. Mittlerweile war sie mit ihrem kleinen Sohn allein unterwegs. Ihre Beziehung war zerbrochen. Immer wieder hatte ich ihr einen kleinen Gruß zukommen lassen. Sie lebte mit den täglichen Mottos aus der App go4peace. Dann und wann kamen kleine Reaktionen. In der Adventszeit erreichte mich ein Gruß: „Ich bin dir von Herzen dankbar, für alles, was du mir in all den Jahren – bewusst oder unbewusst -  persönlich oder über die go4peace-App ins Herz gegeben  hast. Ich bin heute die Frau, die Jüngerin Jesu, die ich bin – auch wegen dir.“ Mein Herz füllt sich mit Dankbarkeit. Einen kurzen Augenblick bete ich. Dann geht der Tag weiter, denn es gilt ja: „Lieben, das können wir immer!“

Nach hoffnungsvollen Begegnungen mit einer polnischen Sprachgruppe hatten wir uns entschieden, das Logbuch „Mein Leben – windschief und glänzend“ in die polnische Sprache zu übersetzen. Nach Monaten intensiver Arbeit stand das Projekt kurz vor dem Abschluss. Das Buch konnte gedruckt werden. Doch dann kamen leichte Anfragen auf und wir spürten, dass der Prozess an Dynamik verlor. Zudem wurde eine der Hauptfiguren auf polnischer Seite krank. Was sollten wir tun? Immer wieder suchten wir den Kontakt, ohne irgendwelchen Druck aufzubauen. Dann ergab sich ein Gespräch mit der Hauptverantwortlichen auf unserer Partnerseite. Alle Mühen und Schwierigkeiten kamen ans Licht. Viel Unerwartetes war geschehen. Wir machten Mut, untereinander das Gespräch zu suchen und aufzuzeigen, wie weit wir schon auf dem Weg gemeinsam gegangen waren. Dann mussten wir es von unserer Seite aus den Händen geben. Zwei Tage warteten wir auf eine Rückmeldung. Dann kam die Botschaft: „Die Entscheidung ist gefallen. Wir drucken!“