Ich bin glücklich!
Wir hatten uns vorgenommen – in Zeiten von Corona – Abend für Abend die kleinen wertvollen Augenblicke miteinander zu teilen. Ich rief meine Mutter an und fragte nach den „kleinen Tages-Kostbarkeiten“. Ganz begeistert erzählte meine Mutter, die am Rande eines kleinen Wäldchens lebt von Osterglocken, die zu blühen begonnen hatten. „Weißt Du, wie lange die da schon stehen?“ fragte mich meine Mutter. Vor über 40 Jahren hatte ihr eine alte Flüchtlingsfrau, die in unserer Nachbarschaft lebte, die Blumenzwiebeln geschenkt. Sie hatte zu viele gehabt und meiner Mutter gesagt: „Nehmen Sie sie doch. Dann haben sie auch ein wenig Freude an diesen schönen Blumen!“ Die Nachbarin ist schon seit vielen Jahren verstorben. Die Blumen blühen weiter - jedes Jahr neu. Sie erinnern an ein Herz, das geteilt hat. Und sie laden dazu ein es heute auch zu tun.
We had planned - in times of Corona - to share the little precious moments every evening. I called my mother and asked about the “little treasures of the day”. My mother lives on the edge of a small forest. She spoke with great enthusiasm about some flowers (daffodils) that had started to bloom. "Do you know how long they've been there?" Asked my mother. Over 40 years ago, an old refugee woman who lived in our neighborhood gave her the flower bulbs. She had had too many and said to my mother, "Take them. Then you will also enjoy these beautiful yellow flowers a little bit!” The neighbor has died many years ago. The flowers continue to bloom - every year. They are reminiscent of a heart that shared and today they are inviting us to do so.
Lass das Neue zu! - Allow the new!
Ein 40-jähriger Hochzeitstag stand an. Ich bekam das eher zufällig mit – in Zeiten von Corona. Natürlich musste die kleine erhoffte Feier ausfallen. Mich drängte es, noch einen kleinen Gruß zu schicken. So schrieb ich eine Karte mit herzlichen Segensgrüßen und fuhr in einen Supermarkt, um ein paar Pralinen zu kaufen. An der Kasse angekommen, herrschte bei vielen Menschen viel Unsicherheit in Bezug auf Nähe und den Umgang miteinander. Ich ließ eine Frau mit drei Artikeln in der Hand vor. Sie wollte keinen Einkaufswagen mehr anfassen. „Danke! Und das in diesen Zeiten!“ hörte ich sie sagen. Die Kassiererin saß hinter sie schützenden Glasscheiben. Für beide Seiten eine immer noch unwirkliche Situation. „Von Herzen DANKE für Ihren so verlässlichen Dienst!“ sagte ich ihr. Erstaunt blickte sie auf. Ich schaute in ihre Augen. „Gerne!“ sagte sie und dann füllten sich ihre Augen mit Tränen – die meinen auch. Ein Augenblick der Ewigkeit.
Vor einigen Tagen erinnerte ich mich daran, dass ich vor einigen Monaten bei einem Jugendtreffen in Rom ein italienisches Mädchen getroffen hatte. Da die Italiener wegen des Virus einen sehr harten Moment haben, beschloss ich, ihr zu schreiben. Ich schickte eine kurze Nachricht über WhatsApp und nach einer halben Stunde bemerkte ich, dass sie mir geantwortet hatte. Es war eine sehr lange Antwort, in der sie mir ihre Gefühle anvertraute. Die erste Zeile lautete: „Artemida, danke, dass Du mir geschrieben hast“ - und die letzte: „Entschuldigung, vielleicht habe ich zu viel geschrieben, aber ich musste alles rauslassen und teilen. Es ist ein sehr schwieriger Moment für uns.“
Wir haben uns fast zwei Stunden lang geschrieben. Wir teilten unsere Meinungen und Gefühle und was wir tun, um diese Situation zu überwinden. Wir sind beide Chemielehrer und für einige Momente war es gut, das Virus zu vergessen und auch über andere Dinge zu reden. Wir haben uns beide sehr wohl gefühlt und tauschen jetzt jeden Tag kleine Nachrichten aus. Wir haben dies vor dieser Situation noch nicht getan.
Das hat mich viel nachdenken lassen: Wir stehen jeden Tag vor vielen Problemen und die Menschheit hatte immer Herausforderungen. Das ist klar. Ich bin ein Albanerin, die in Deutschland lebt, und ich habe mit einer Italienerin über etwas gesprochen, das jetzt die ganze Welt betrifft. Aber besonders diese Momente können genutzt werden, um mehr über die Beziehungen nachzudenken, die wir untereinander, mit der Welt um uns herum und mit Gott haben. Machen wir es gut? Müssen wir etwas ändern? Wir halten unseren Alltag für selbstverständlich, aber jetzt vermissen wir ihn.
Lernen wir weiter, indem wir miteinander in Verbindung bleiben!