Ich bin glücklich!
Das Telefon schellt. Eine mir fremde ältere Stimme meldet sich. „Ob meine Nachbarn in Urlaub wären, denn sie wären nicht erreichbar?“ höre ich eine Frage. Mein Nachbar, ein Mann mittleren Alters, ist Kundendienst-Beauftragter eines Heizungsbetriebes und die Anrufende hatte schon seit Tagen kein warmes Wasser mehr. Deshalb rief sie an. „Wissen Sie“, ließ ich die Frau verstehen, „meine Nachbarn sind vor Ort, aber sie stellen oft ihr Telefon ab, um nicht erreichbar zu sein.“ Die Frau entschied sich, es am nächsten Tag telefonisch nochmals zu versuchen.
Da sie am kommenden Tag telefonisch erneut nichts ausrichten konnte, rief sie mich erneut an. Ich entschied mich, die Sache aus Liebe zu der älteren Frau in die Hand zu nehmen und sagte ihr: „Ich schreibe mir jetzt ihre Telefonnummer auf und gehe dann nach nebenan und sage, dass Sie in Not sind und technische Hilfe brauchen.“ Gesagt getan. Ich schellte am Nachbarhaus und traf sofort auf den Heizungsmonteur. Er nahm die Telefonnummer entgegen und versprach sich zu kümmern. Nachmittags schellte es bei mir. Die Kinder aus der Nachbarschaft standen mit einem Glas Marmelade vor meiner Tür. „Die hat eine Frau unserem Opa gegeben und wir sollen sie Dir weitergeben!“ strahlten mich die Kleinen an. Ich wusste sofort, von wem die Marmelade kam und nahm sie erstaunt und dankbaren Herzens entgegen.
Ich war mit meiner Schwester, die mich in meiner Uni-Stadt besuchte, in einem Fachgeschäft. Der Kundenbetreuer, mit dem wir es zu tun bekamen, schien aus Serbien zu stammen. Er sprach nur gebrochen Deutsch. Er schaute sehr jung aus. Er hatte Schwierigkeiten mit dem Computer und schaffte es zunächst nicht, die Rechnung ausdrucken. Er bat zwei seiner Kollegen um Hilfe. Aber die waren sehr beschäftigt, weil sie viele Kunden zu bedienen hatten.
Dann sagte ich zu dem jungen Mann: ''Mach dir keinen Stress! Wir warten gerne!" Erstaunt über unsere Gelassenheit erwiderte er: "Ich bin neu hier!" - Daraufhin sagte ich zu ihm: "Irgendwann muss man immer anfangen! Und das nächste Mal wirst du dich besser mit dem Computer auskennen!" Daraufhin fragte der Mann: „Kommt ihr aus Albanien? Ich versteh nämlich ein wenig von Eurer Sprache, da ich viele albanische Freunde habe!“ Ich spürte, wie sehr er sich in dieser schwierigen Situation für ihn im Laden echt geliebt gefühlt hatte. - Was zählt ist die Liebe!
Ich bin ja seit einigen Wochen in einem neuen Arbeitsfeld. Gott hat mir sehr energisch aufgezeigt das ich nochmal aufbrechen muss und auch wenn ich deutlich spürte, dass mich dann wieder Angst, Grübeln, Panik und Einsamkeit beschäftigen würde. Aber ich erinnerte mich an ein Wort, das mir in einer bedeutsamen Lebenssituation zugesprochen worden war: „Du führst mich hinaus ins Weite!“
Mit diesem Wort im Gepäck nahm ich an einem Austauschtreffen meiner Berufsgruppe teil. Ich bat einen Priester um seinen Segen für meine neue Weg-Etappe. Dieser Augenblick wurde ganz besonders für mich. Ich hörte den Priester sagen: „Schau nicht auf Deine Grenzen, sondern schau darauf, wie stark Jesus ist. Du bist ein Mensch, der das Evangelium Jesu mit großer Freude weitergibt. Dass Du auch mit Depressionen zu kämpfen hast, tritt dabei nicht ans Tageslicht. Das zeigt mir: Die Kraft, die Jesus Dir schenkt ist bei weitem größer als die all der Dämonen, die in Deinem Kopf mit einander kämpfen.“
In diesen Momenten spürte ich: „ER ist da – HE happens!“ Das hat mir viel Mut gegeben, neu auf Gott zu setzen und darauf zu vertrauen, dass ich mit IHM all meine Tiefs leben und durchleben kann.
"Lass dich HEUTE berühren", war das Motto des gestrigen Tages. Letzten Samstag ist eine Bewohnerin meiner Alteneinrichtung verstorben. Am Geburtstag ihrer Tochter. In den Tagen davor habe ich viele Stunden an ihrem Bett gesessen in der Nacht ihres Heimgangs bis nachts um zwölf, bis sie ein wenig ruhiger war und die Nachtschwester alle wichtigen Dinge soweit erledigt hatte, dass sie öfter nach ihr schauen konnte.
Am Donnerstag zuvor haben wir mit der Familie an ihrem Bett die Krankensalbung gefeiert. Am Samstagmorgen am Bett der Verstorbenen mit zwei Pflegekräften und der engsten Familie gebetet.
Jetzt am Donnerstag sollte die Auferstehungsmesse sein. Ich habe Urlaub, genoß das Ausschlafen, da momentanen Umbrüche in meinem Leben mich viel Kraft kosten. Es war sehr heiß und ich hatte entgegen meines ursprünglichem Vorhabens, in diese Messe zu gehen und auch die Lesung zu übernehmen, ernsthaft überlegt, liegen zu bleiben und nicht zur Kirche zu gehen.
Aber der Gedanke auch in dieser Messsituation den Angehörigen nahe zu sein, von denen ich mitbekommen habe, dass ihnen das Gebet, die Krankensalbung und jetzt auch die Messe wichtig für ihre Mutter war, sie aber aus verschiedenen Gründen sehr unsicher in all diesen Dingen sind, und die vielen Stunden des Begleitens ihrer Mutter, berührte mich. So stand ich auf und ging zur Messe.
Als die Messe begann, war niemand der Angehörigen da, ganz hinten saßen zwei Menschen, von denen wir nicht genau wussten gehörten sie zur "Trauergemeinde"? Der Priester fragte mich ob jemand da sei, ich antwortete vielleicht die zwei. Wir feierten mit den Leuten aus der Gemeinde, die da waren die Auferstehungsmesse für die verstorbene Bewohnerin. Ich konnte nicht verstehen, warum da jetzt niemand da war, ließ das aber los und konnte mit ganzem Herzen für meine Bewohnerin und für die Angehörigen diese Messe feiern.
Nach der Messe sprach ich noch einige Zeit mit Thorsten und als ich um kurz vor zehn ging, sah ich eine kleine Enkeltochter, die auch bei der Krankensalbung dabei war, über den Parkplatz kommen. Ich stutzte, ging näher und sah, die Familie mit acht Leuten am Auto auf dem Parkplatz stehen, sie wollten zur Messe, das war klar ersichtlich. Ich ging hin begrüßte sie und sagte ihnen, dass die Messe schon war, sie zu spät sind. Wir die Messe für ihre Mutter jetzt alleine gefeiert haben und war eigentlich ein wenig "pikiert innerlich", wie man zu so einem Anlass die Uhrzeit verwechseln kann...
Aber die wirklich echte Betroffenheit in ihren Augen über diese Verwechslung, berührte mich und ich dachte SO kann ich sie jetzt auch nicht gehen lassen. Die Trauernden zu trösten.... Ich bot ihnen an, dass wir zusammen in der Kirche noch für ihre Mutter beten und im Rahmen wie in einer "Hauskommunion" auch die Kommunion empfangen könnten.
So standen wir alle zusammen im Kreis vor dem Altar, ich habe frei ein Gebet gesprochen, zusammen mit ihnen das Vater unser und das Gegrüßet seist du Maria, sie haben die Kommunion empfangen, ich noch ein freies Dankgebet gesprochen. Es war eine ganz dichte Atmosphäre, in der Jesus wirklich gegenwärtig spürbar war. Ich habe die Tochter, an deren Geburtstag die Mutter gestorben war und die die deutsche mehr schlecht als recht versteht beziehungsweise noch schlechter spricht, in den Arm genommen. Die Betroffenheit und Traurigkeit in ihren Augen war einem frohen und warmherzigen Blick gewichen. Sie bedankte sich sehr und auch die Blicke und Umarmungen der anderen Familienmitglieder sprachen Bände.
Sie fragten, ob sie noch bei der Pieta Kerzen anzünden dürften... und sie haben das dann noch in aller Ruhe getan und auch dort noch im Gebet verweilt. Ich ging derweil zu meinem Auto und fuhr in einer echten Freude nach Hause. In einer echten Freude darüber, dass Jesus in dieser Situation gegenwärtig sein konnte. Das eine Erfahrung der Liebe Gottes für die Angehörigen sein durfte, in ihre Betroffenheit und Verschämtheit sich so vertan zu haben hinein und ihrer Trauer.
Hätte ich mich gestern Morgen NICHT "berühren lassen" und wäre liegengeblieben, hätte ich mich von der Betroffenheit in den Augen der Familie NICHT "berühren lassen"....