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Ich bin glücklich!

Das Motto "Don't stop giving!" begleitet mich Tag für Tag. Ein Verwandter war schwer krank geworden. Bei uns zu Hause im Szekler Land konnten ihm die Ärzte nicht helfen. Deshalb kam er nach Cluc Napoca (Klausenburg), wo ich lebe. Er war schon nach zwei Wochen im Krankenhaus, doch niemand hatte ihm geholfen, weil er den Ärzten kein Geld gegeben hatte – leider ist das bei uns so! Er war sehr frustriert, denn er hatte den Eindruck, vergeblich gekommen zu sein. Ich selber war in diesen Tagen beruflich sehr beschäftigt, hatte nur wenig Zeit. Das Motto gab mir dennoch den Anstoß, ihn zu besuchen. Es wurde ein langes Gespräch. Fast vier Stunden haben wir geredet. Ihm tat es richtig gut, sich jemanden anvertrauen zu können. Auch wenn ich ihm fachlich nicht weiterhelfen konnte, war mein Dasein ein großes Geschenk für ihn. Die Topfblume, die ich ihm mitgebracht hatte, wird diese Augenblicke in seinem Herzen lebendig halten.

Die Schule hatte wieder begonnen und so galt es in unserer Klasse einen Kurssprecher zu wählen. Eine Mitschülerin hatte mich für dieses Amt vorgeschlagen. Anfangs war ich mir alles andere als sicher, ob ich tatsächlich zusagen sollte. Dann fiel mir ein Motto aus unserem go4peace-Camp ein: "Sei offen im Augenblick!“ Das hat mich total ermutigt und so habe ich zugesagt. Und dann spürte ich wieder diese tiefe Freude, die ich oft im Camp erlebt hatte.

Eines Abends saß ich während unseres Camps go4peace mit meinen Schwestern und einigen Freunden zusammen. Wir hatten viel Spaß zusammen. Ich sah, dass zwei Jungen aus unserem Camp allein an einem Tisch saßen und mit ihrem Handy beschäftigt waren. Ich hatte den Eindruck, dass sie sich alleine fühlten, so entschied ich mich, sie anzusprechen. Sie legten sofort ihre Handis aus der Hand und setzten sich zu uns. Wir sprachen über Schule, übers Reisen und über Gott und die Welt. Dann gesellten sich noch mehr Leute zu uns. Es war richtig lustig und schön. In den Augen der beiden Jungs spürte ich die Freude, mit dabei sein zu dürfen und in meinem Herzen war die gleiche Freude, dass ich den Augenblick beim Schopf gepackt hatte.

Von Anfang an war er skeptisch, als er seinen kleinen Sohn zum Kindergarten brachte. Er hielt nicht viel von dem ‚ganzen pädagogischen Kram‘ und fragte sofort, ob es auch möglich sei, sein Kind nur drei Tage in der Woche zu bringen und ihn ansonsten zu Hause auf dem Hof zu lassen? Ich schaute auf das Kind und spürte, wie unsicher sich der Kleine in der neuen Umgebung fühlte, der Vater wahrscheinlich auch. So erklärte ich dem Vater, dass es für die Beziehungen zu anderen Kindern und um in der Gruppe gut integriert zu sein, wichtig ist, dass er 4 Tage pro Woche in den Kindergarten kommt. Wir vereinbarten ein paar Schnupptertage, zu denen der Kleine auch mit seiner Mutter erschien. Schon bald verabschiedete der kleine Junge seine Mutter, weil er keine „Zeit“ mehr für sie hatte, denn er wollte mit den Kindern spielen. Offensichtlich hatte er den Sprung in seine neue Welt schnell geschafft. Er hatte Vertrauen gefasst und zu Hause erzählt, dass er die Christiane (mich, die Erzieherin), so gerne mag.

Jedes Mal, wenn ich sah, dass der Vater kam, um sein Kind abzuholen, ging ich auf ihn zu, um kurz mit ihm zu reden und ihn einfach meine Aufmerksamkeit und Wertschätzung spüren zu lassen. Ich erzählte ihm, wie viel ich von regionalem Einkauf halte und beschrieb ihm den Hof, auf dem wir als Familie im Hofladen immer wieder einkauften. Natürlich kannte er den Hof. Eines Tages fragte ich den zutraulicher gewordenen Mann, ob wir ihn mit den Kindern des Kindergartens nicht mal auf dem Hof besuchen könnten? Schnell war ein Termin gefunden. Mit der ganzen Kindergartengruppe verlebten wir wunderbare Stunden. Stolz zeigte und erklärte uns der Vater den Hof. Die Kinder durften eine Henne und ein Ferkel streicheln und den ganzen Hof “erobern“. Beim Abschied strahlte der Vater, weil er gespürt hat, wie wertvoll wir seine Arbeit finden und hat uns eingeladen, jederzeit wieder zu kommen.

Durch diesen Besuch hat sich unsere Beziehung noch einmal verbessert und wenn der Vater jetzt seinen Sohn abholt, kommt er gelöst und unbeschwert auf uns zu.