Zum Hauptinhalt springen

Ich bin glücklich!

Ich hatte es pünktlich geschafft, zu einem Termin, der mir bedeutsam war, in der Gesamtschule zu sein. Vor der Eingangstür stand eine fremdländisch erscheinende Frau mit einem kleinen verängstigten Kind im Kinderwagen. Ob ich ihr helfen könne, fragte ich sie. Im gebrochenen Deutsch ließ sie mich verstehen, dass sie den Raum suche, in dem ein Sprachkurs stattfinden würde. Meine Zeit war begrenzt. Ich wollte pünktlich bei meinem Gesprächstermin sein. Mir kam das Motto "Zögere nicht! - Öffne dein Herz!" Konkrete Liebe war gefragt. Ich machte mich mit der Frau und dem Kind auf die Suche in dem riesigen Gebäude. Wir fragten ungezählte Schüler und Lehrer nach dem Raum. Alles blieb vage. Der vermeintlich richtige Raum war leer. Niemand war da. Am Ende ging ich mit der Suchenden zum Chef der Schule. Auch er zögerte nicht, sofort mit uns auf Suche zu gehen. Erneut standen wir vor dem richtigen Raum, in dem aber heut kein Kursangebot statt fand. Wir konnten nicht weiter helfen. Ich verabschiedete mich von der Asylsuchenden. "Danke, dass Ihr mir so geholfen habt!" hörte ich. Sie hatte ehrliche Hilfe erfahren und gespürt. Mein anschließender Gesprächstermin entwickelte sich als Raum voller Kreativität und Dynamik. Auch ER zögerte nicht!
 

Heute Morgen in der Frühe kam mein Vater von seiner Arbeitsschicht nach Hause. Er hat mir Süßigkeiten mitgebracht, worüber ich mich sehr gefreut habe. Ich hab dann diese Süßigkeiten mit in die Schule genommen – aber ich hab sie nicht gegessen, weil ich an meine ältere Schwester denken musste, die eine schwere Zeit hinter sich hat und die zum Wochenende nach Hause kommen würde.. Als sie ankam und ich ihr die Bonbons gegeben habe, war sie ganz glücklich. Ihre Freude hat meine Freude noch größer gemacht.

Heute war in einem neuen Krankenhaus meine erste größere OP geplant. Ich war nervös und relativ unruhig. Bevor ich losfuhr, ein Blick in die App zum Tagesevangelium und Tagesmotto. Dort las ich: „Fürchte dich nicht. ER geht mit Dir.“ Da musste ich fast lachen, denn sofort kam mein Selbstvertrauen zurück, natürlich, ich bin ja nicht alleine!!! Deutlich entspannter bin ich dann gefahren, und was soll ich sagen: die OP war echt eine Herausforderung, aber alles lief super! Es war auch schnell eine gute Atmosphäre im Saal. Und ich wusste, dass mir alle auf „die Finger“ schauen, aber die Gewissheit, nicht allein zu sein, hat „Berge versetzt“. Ich war so glücklich, als ich wieder gefahren bin, die Patientin war schon wieder wach und fühlte sich gut. Die Kraft des Evangeliums ist einfach ungeheuer!

Unerwartet standen wir vor der Tür eines albanischen Ehepaares mit ihren zwei Kindern. Untergebracht waren sie in einer städtischen Flüchtlingsunterkunft. Wir kamen zu dritt. Ein wenig scherzhaft stellte ich uns als die „heiligen drei Könige aus dem Morgenland“ vor. Ohne zu zögern baten sie uns in ihre ärmlichen Räumlichkeiten. Vom ersten Augenblick an fanden wir eine herzliche Beziehung zueinander. Wir lachten und scherzten. Schnell öffnete diese Familie ihr Herz und erzählte sehr persönliche Dinge. Sie waren mit ihrem älteren Kind in unser Land gekommen, da eine dringend benötigte Operation in ihrem Heimatland nicht möglich war. Nun hofften sie bleiben zu dürfen. Der Vater hatte bereits eine Wohnung gefunden, in die er mit seiner Familie bald würde umziehen können. Es war Heilig Abend. Aus diesem Anlass hatte die Familie einen italienischen „panetone“ (Kuchen für festliche Angelegenheiten) gekauft. Sie stellten ihn auf den Tisch. Tee, Kaffee, Coca-Cola, Plätzchen und Kuchen. Sie teilten alles. Himmlische Gastfreundschaft. Der Himmel öffnete sich. Es war Weihnachten. Wir, die mit kleinen Geschenken gekommen waren, waren nun die reich Beschenkten.