Ich bin glücklich!
Plötzlich wurde die Autobahn beidseitig gesperrt. Ein Kran drohte auf die Fahrbahn zu stürzen. Das bedeutete – am Freitagnachmittag – zwei Stunden Stau. Dann wurden alle Fahrzeuge auf Nebenstrecken geleitet. Vielfach nur einspurig befahrbar. Der Weg führte durch einsame Waldgebiete, die plötzlich voller Autos waren. Es regnete und wurde langsam dunkel. Da ich mein Ziel an dem Tag nicht mehr erreichen konnte, entschied ich umzukehren. Alles war verstopft und versperrt. Nach sieben Stunden Suche hielt ich an einem kleinen Parkplatz an und suchte erneut nach einem Ausweg. Vier andere Fahrzeuge fanden sich neben mir ein, alle in der gleichen verzweifelten Lage. „Ich komme nicht mehr nach Hause!“ weinte ein Mädchen. Wie ein Engel kam ein Einheimischer vorbei. Er hatte auch alle Wege, die ich gefahren war, ausprobiert. Nichts war gegangen. Mir kommt noch eine letzte Möglichkeit über eine sehr enge Straße, die nicht eingezeichnet ist, in den Sinn. Wir fuhren hinter ihm her – dunkel, glitschig, regnerisch, kurvenreich … Nach über einer halben Stunde ungewisser Fahrt durch riesige Wälder, erreichten wir eine Hauptstraße. Ich sah einen mir bekannten Ort ausgeschildert, der schon jeweils der Sperrung der Autobahn lag. Der Weg ging weiter. Nach über 8 Stunden Stau war kam ich wieder zu Hause an. Geführt, dankbar und glücklich.
Nach einem anstrengenden Tag war ich gerade dabei, die Kirche abzuschließen. Während ich die letzten Besucher verabschiedete, standen auf einmal zwei Teenies mit einer Dönertasche vor mir. „Dürfen wir auch mal rein?“ fragte der Ältere. „Natürlich wenn wir aufgegessen haben.“ fügte er hinzu. Mir kam das Tagesmotto: „Wie kann ich mich heute schenken?“ Also sagte ich zu: „Na klar, für euch beiden gibt’s jetzt ne Spezialführung!“- „Cool, wir besuchen hier unsere Oma, und das ist so langweilig. Da haben wir gedacht, wir gehen einfach mal hier herum. Und dann hat uns die riesige Kirche interessiert!“ Sie strahlten mich an und kamen mit in die Kirche. Die Größe des Raumes faszinierte sie. Ergriffen und angerührt standen sie vor mir. Ich begann von mir zu erzählen und ich spürte, wie ich unter ihrem Horizont ankam. Als ich die Worte „Priester“ und „Messe“ fallen ließ, fragte mich einer: „Was, finden hier Versteigerungen statt?“ Sofort war mir klar, dass sie mit Kirche wenige Berührung, aber viele Fragen im Herzen hatten, auf die ich mit Details des Bauwerkes antwortete. Es wurde eine gemeinsame spannende Stunde, die wir in der Kirche verbrachten. Als ich die beiden verabschiedete, sagte der Ältere: „Boh, das war so cool. Ich war noch nie in einer Kirche. Und dass du uns alles so super erklärt hast, war total spannend, also: DANKE!“ Dann ging’s zurück zu Oma.
Nach langer Zeit ergab sich die Gelegenheit zu einem abendlichen Spaziergang. Sie spürte, dass das Leben sie drängte, weiterzugehen. Vor Wochen hatte sie einen großen Karton in Händen gehalten und den inneren Impuls verspürt: „Wirf ihn nicht weg! Du wirst ihn bald gebrauchen können.“ Wenig später hatte sie von einem Umzug geträumt. An ihrer Arbeitsstelle, an der sie viel gelernt hatte, zeigte sich keine Möglichkeit zur beruflichen Weiterentwicklung. Sie war bewegt von dem Gedanken, in eine größere Stadt zu ziehen. So fand sie – scheinbar gegen alle Vernunft - den Mut zu kündigen, ohne eine neue Arbeitsstelle zu haben. Das bedeutete für sie, für eine ungewisse Zeit zwischen zwei Welten zu leben, ihrer alten und der neuen Stadt, in der sie noch nichts hatte.
„Ich hab gemerkt, ich muss das machen,“ ließ sie mich wissen, „auch wenn mir alle davon abgeraten haben. Ich will mich doch weiter entwickeln, will was Großes aus meinem Leben machen. Mein Herz hat mir Mut gemacht, diesen Schritt zu wagen! Als ich das Kündigungsschreiben abgeschickt hatte, war mir schon ein wenig mulmig zu Mute, aber in der Tiefe meiner Seele war mir klar, dass es richtig ist!“ Ich staunte, wie sehr meine junge Gesprächspartnerin an ihrem eigenen Herzen dran war, ihm traute und sich mutig gewagt hatte. Mittlerweile ist sie seit einem halben Jahr in der neuen Stadt. Sie hat eine gute Arbeitsstelle gefunden und sagt von sich: „Ich bin angekommen!“
Oft spüren wir eine tiefe innere Unruhe in unseren Herzen, die uns mahnt, nicht einfach so weiter zu machen wie bisher. In diesem Drängen ist Gott am Werk. Er lädt uns ein, dieser Unruhe zu trauen und uns von ihr bewegen zu lassen. Und wenn wir uns dann neu aufmachen und Neuland unter die Füße nehmen, gilt uns die Zusage Jesu, alle Wege mit uns zu gehen. Das kann Gelassenheit und Mut in uns wachsen lassen. Sei dir gewiss, das Leben meint es gut mit dir. Also: Hab Mut!
° Bist du bereit, der Unruhe deines Herzens zu trauen und zu folgen?
Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20)