Ich bin glücklich!
Ostermontag – der Emmaus-Tag. Die fünfte Predigt. Wie sollte ich das Ostergeheimnis wieder neu „durchbuchstabieren“? Mir war in all den biblischen Ostererzählungen aufgefallen, wie „ergriffen“ die Freundinnen und Freunde Jesu waren, wenn sie entdeckten, dass Jesus weiter lebt, allerdings auf eine ganz neue Weise. Drei Worte kamen mir in den Sinn: greifen – begreifen – ergreifen, bzw. ergriffen sein. Der Grundgedanke meiner Predigt: Wir lernen schon als Kinder, nach etwas zu greifen und sind, je älter wir werden, bestrebt, immer mehr zu begreifen. Und jetzt stehen wir vor dem Geheimnis der Auferstehung, die weder zu greifen noch zu begreifen ist. Aber es gibt da jemanden, der uns – in aller Freiheit - ergreifen will. Davon sprudeln die Oster-Erzählungen und sie möchten sich heute genauso ereignen, wie zur Zeit Jesu. Ich spürte, wie dieser Dreischritt für viele eine Hilfe schien. Große Aufmerksamkeit war zu spüren. Mit zwei Erfahrungen, die ich mit jungen muslimischen Weggefährten gemacht hatte, verdeutlichte ich das Gesagte. Am Ende des Gottesdienstes kam eine ältere Frau mit zwei Gehhilfen zu mir und sagte: „Ich bin echt gerührt. Sie haben Charisma!“ Schmunzelnd schaute ich sie an und sagte: „Vielleicht sind sie ja ergriffen, dann ist Emmaus nicht mehr weit!“ Lachend verabschiedeten wir uns.
Sie hatten sich in einer kleinen Gruppe zusammengefunden, um mit Hilfe eines Online-Kurses dem lebendigen Jesus auf die Spur zu kommen. Eine der Jugendlichen hatte sich bereit erklärt, die Rolle der Moderatorin zu übernehmen. Woche für Woche traf sich die kleine Gruppe und kam in einen lebendigen Austausch. Eine junge Frau aus der Gruppe erzählte später bei der Reflexion: „Unsere Moderatorin war immer erreichbar und hat alles in unserer Gruppe sehr gut geregelt. Ich würde das Klima deshalb mit fünf Sternen bewerten, also: Bestnote, denn es gab nichts zu bemängeln.“
Später las ich im Rückblick der Moderatorin: „Mir hat es total gut gefallen, wie respektvoll, offen und interessiert wir miteinander umgegangen sind. Wir sind auch bei tiefgründigen Fragen gut ins Gespräch gekommen und haben andere Meinungen akzeptiert. Die Momente der Stille waren auch sehr beruhigend. Der Kurs hat unsere Bootscrew spürbar näher zusammengebracht, und ich habe erleben dürfen, dass Jesus mit uns war.“
Diese Aussagen werden das Herz Jesu im Himmel berührt haben, war es doch sein brennender Wunsch, immer bei uns Menschen zu sein, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. So ist die Liebe, die Gott ist, der Ort, wo er sich spürbar ereignet. Das Motto dieses Monats lädt uns ein, Gott die Chance zu geben, bei uns zu sein. Also: Schau mit Liebe auf deine Nächsten!
Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18,20)
Seit gut einem Jahrzehnt war er mit seiner Frau in unserem Land. Zu Anfang hatte ich den beiden sehr helfen können. Mittlerweile waren sie gut integriert und lebten vorbildlich mit ihren kleinen Kindern. Aber nicht alle wollten ihnen gut. So hatten sie immer wieder Böswilligkeiten auszuhalten, gegen die sie sich zum Teil anwaltlich wehren mussten. So erreichte mich die Frage, ob ich ein wenig Zeit habe. Zwei Stunden später saßen wir zusammen. Bei einem Tee hörte ich lange zu und konnte Mut machen. Abends erreichte mich eine Botschaft: „Ich bin dir sehr dankbar für die schöne Zeit und den leckeren Tee. Immer, wenn wir uns sehen, atmet meine Seele auf. Ich spüre das körperlich und psychisch. Ich bin Gott dankbar für alles, was ich habe. Gute Freunde, meine Familie und die schönen Momente mit Menschen, die wirklich lieben. Danke, dass du bei jedem Gebet an uns denkst. Das schenkt mir viel Kraft, gerade in diesen harten Zeiten. Ich bin mir sehr sicher, dass Gott uns auch jetzt behütet und weiter bringt.“
Seit dem tragischen Tod eines Teenies, der mit seinem Fahrrad unter einen Bus gekommen war, hatten sich die Verantwortlichen des Unternehmens noch nicht bei der Mutter des verstorbenen Jungen gemeldet, die als Flüchtling in unser Land gekommen war. Nun lebet sie allein mit ihren verbliebenen Kindern. Unter dem Schweigen litt die junge Mutter sehr. So hatte ich beide Seiten zu einem Gespräch zu mir eingeladen, denn ich spürte, wie nötig es war, im geschützten Raum zu reden und einander – in allem Schmerz – ehrlich zu begegnen. In einer anfänglichen Atmosphäre großer Sprachlosigkeit konnte ich – über Religionsgrenzen hinweg Brücken bauen. Lange sprachen wir miteinander. Am nächsten Tag erreichte mich die Botschaft der Mutter: „Vielen lieben Dank! Du hast mir und meinem Herzen ehrlich sehr geholfen!“ Darunter zwei verwundete Herzen.