Zum Hauptinhalt springen

Ich bin glücklich!

Voller Zweifel und Unsicherheit hatte sie sich entschieden, in einem unserer Friedenscamps mit dabei zu sein. Ihr einziger Halt war ihr älterer Bruder, der auch mitfuhr. Sonst kannte sie niemanden. Der Weg führte sie in das Land der Herkunft ihrer Eltern nach Osteuropa. Sie war mit starken Selbstzweifeln unterwegs. Stimmungsmäßig bedeutete das für sie viele Ups and Downs.

Da sie neben der Landessprache auch Englisch und Deutsch fließend sprach, wurde sie immer wieder um Übersetzung gebeten. Das gab ihr Auftrieb. Sie fand Zugang zu vielen der Jugendlichen, die aus verschiedenen Ländern teilnahmen. Mehr und mehr erfuhr sie sich als wertvoll und von den anderen geliebt. Und dann kam der Abschluss-Abend mit einem bunten Programm auf dem Marktplatz der Stadt. Sie erlebte eine ungekannte Freude und Leichtigkeit, die ihr Herz tief erfüllte. Sie sang, strahlte und tanzte. Die Freude in ihrem Blick, der den meinen traf, werde ich nie vergessen. Später ließ sie mich wissen: In diesen Augenblicken hab‘ ich mich zutiefst geliebt gefühlt, irgendwie von Gott umarmt. Ich war so glücklich wie lange nicht mehr.

Eine ähnliche Erfahrung ist im ersten Johannesbrief aufgeschrieben. Die ersten Christen dieser kleinen Gemeinde hatten entdeckt, dass sie von Gott geliebt sind, ehe sie es wussten. Und so brach sich die Überzeugung Bahn, einander zu lieben, weil Gott sie zuerst geliebt hat. In dieser Liebe finden wir zu uns selbst. Jeder und jede wird, wie er / sie ist. So gibt dir das Leben, wenn du es mit aller Entschiedenheit lebst, die Erkenntnis: Ich bin geliebt!

° Wann hast du dich schon einmal zutiefst geliebt gefühlt?

Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.  1 Joh 4,19

_________________________ 

YouTube-Video
TikTok-Video

„Kannst du einen Friedensimpuls für unser Lehrerkollegium mit 180 Personen halten?“ war ich gefragt worden. Viel Vertrauen war in den vergangenen Monaten zu vielen Mitarbeiter*innen einer weiterführenden Schule gewachsen. So sagte ich gerne zu. Aufgrund der hohen Hitze wurde die Konferenz kurzfristig als digitale Konferenz angesetzt. So saß ich mit dem Leitungsteam der Schule in einem Raum vor einem Laptop. Als ich meine PowerPoint-Folien durchklickte, konnte ich kein Gesicht der Zuhörenden sehen, nur meine Folien. So konnte ich keine einzige Reaktion wahrnehmen. Ich spürte, dass allein mein Vertrauen angefragt war. Ich erzählte ins Dunkel hinein, sehr persönlich und ermutigend. Als ich endete blieb ein Gefühl der Unsicherheit. Am Folgetag durfte ich in einer Voicemail hören: „Danke auch für deinen gestrigen Gastbeitrag in unserer Gesamtkonferenz. Das hat unter uns Lehrern für sehr viel Interesse und Begeisterung gesorgt. Wir freuen uns sehr auf unsere nächste Begegnung.“

Ich war an einer weiterführenden Schule unterwegs. Bis zu einem vereinbarten Gespräch mit einigen Lehrern blieb noch ein wenig Zeit. Ich setzte mich ins Schüler-Café. An einem Tisch saß eine junge Frau aus Nigeria. Wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte von mir, wie ich als 18-Jähriger auf der Suche nach meinem Lebensweg gewesen war und was mir geholfen hatte, Klarheit zu finden und aufzubrechen. Die junge Frau fasste schnell Vertrauen und ließ mich wissen, wie sehr sie Angst hatte vor dem Augenblick, wo die Schule vorbei war und sie ihr Abi in den Händen halten würde. „Ich hab noch keinen blassen Schimmer, was ich dann machen werde!“ Über eine halbe Stunde sprachen wir miteinander. Abends schrieb ich dem Sozialarbeiter der Schule, er solle die Abiturientin grüßen und sie wissen lassen, dass meine Gebete sie begleiteten. Wenig später kam die Antwort. „Marie sagte: Euer Gespräch gestern hat ihren Tag gerettet. Sie freut sich sehr über deine Gebete und betet ihrerseits für dich!“

Ungeplant musste eine Mathearbeit nachgeholt werden und so galt es, die geplante navi4life Veranstaltung an einer großen Gesamtschule in ein neues Design zu bringen. Und plötzlich war in diesem so eng getakteten System Schule auf einmal Zeit. Ich hatte noch Kuchen mitgebracht. Wir saßen in einer kleinen Gruppe von Lehrern und Lehrerinnen zusammen. Zusehend wuchs Vertrauen. „Das Leben hat dich ja wirklich an die Enden der Erde gebracht. Gab’s da einen besonderen Augenblick, den du nie wieder vergessen wirst?“ wurde ich gefragt. Ich erzählte von zwei Monaten, die ich in einem Bunker in Sarajevo nach dem Krieg auf dem Balkan verbracht hatte, um den Jugendlichen der Stadt nahe zu kommen. Und ich erzählte von einer Nacht, in der ich in ein tiefes Loch fiel und alles, was ich da tat, in Zweifel zog. Es war schwer und tränenreich. Und ich erzählte, dass ich im Rückblick durch diese Erfahrung das Geheimnis des Weizenkornes verstanden hätte. „Ich hab nichts mehr gespürt, nur Kälte, Nässe und Dunkelheit. Kein Licht mehr. Keine Perspektive … Und heute steht an dieser Stelle das große Jugendzentrum Johannes Paul II. mitten im Herzen von Sarajevo.“ Als ich dann in die Augen des Fragenden schaute, spürte ich seine tiefe Dankbarkeit für dieses geteilte Leben.