Ich bin glücklich!
Das Geld für die Feldküchen ist gesammelt. Erneut rufe ich in der Ukraine an. Ein dortiger Freund erzählt von 55 Waisenkindern, die z.T. auf Straßen und Bahnhöfen gefunden worden sind. Jetzt sind sie in einer großen Sporthalle untergebracht. Auf einem Foto sehe ich drei Kinder in einem Bunker. Sie schlafen – wehrlos und friedlich. Ich schließe kurz meine Augen. In mir werden Bilder wach, die mich im Jahr 1996 nach Bosnien und Herzegowina gebracht hatten. Es war vor allem das Bild eines Kindes in seiner Schutzlosigkeit. Das hatte ich damals als leises Klopfzeichen Gottes erlebt. Gott lud mich ein, mich mit Jugendlichen auf einen Friedensweg nach Bosnien und Herzegowina zu machen. Über 2000 junge Leute aus ganz Europa sind in den 25 Jahren mitgegangen und haben gelernt, für den Frieden zu leben. Ich öffne meine Augen wieder und bin wieder mit meinem ukrainischen Freund im Gespräch. Er träumte von einem Kinderdorf aus Holz-Containern. Wieder rechnen wir am Telefon: Jeder Quadratmeter überbaute Fläche kostet 425 € . 266 m2 sind geplant. Gesamtpreis: 113.050 €. Wieder bin ich allein am Telefon, in meinem Glauben angefragt. Wieder befrage ich die Worte Jesu und mir kommt sein Wort: „Wer eines von diesen Kleinen in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf!“ - „Trust and jump!“ – „Vertrau und Spring!“ kommt mir ins Herz. Gott ist am Werk. Ein zweiter Flyer ist schnell gestaltet… Frieden will gelebt werden. Let’s go4peace – wir bleiben dran!
Wir hatten uns als Familie entschieden, ein Kind oder unbegleiteten Jugendlichen aus der Ukraine bei uns auszunehmen. Prompt kam uns der Corona-Virus besuchen. Dann kam die Nachfrage, ob wir Platz für eine Familie mit einem autistischen Kind zur Verfügung stellen könnten. Wegen Corona musste ich verneinen. Trotzdem traf mich diese Anfrage und ich teilte sie in meinem Netzwerk. Sofort meldete sich jemand, der eine voll möblierte Dienstwohnung mit 4 Betten frei hatte. Er würde auch noch den Kühlschrank voll machen und die können sie haben. Das nach nur 10 Minuten.
Eine andere Person aus meinem Netzwerk hatte Kontakt zum Autismus-Zentrum in meiner Stadt. Die schickten am nächsten Tag sofort jemanden, um zu sehen, was für den kleinen Jungen gemacht werden kann. Nach meiner Genesung konnte ich den Kleinen sehen. Schnell entstand eine enge Verbindung, dass der Kleine mich umarmte. Keine 10 Minuten nach unserer Ankunft, legte der Junge sich auf den Schoß meiner Tochter.
Der Vater des Kindes, der wegen der Behinderung seines Sohnes sein Land auch verlassen durfte, ist Musiker und spielt Gitarre (Drei in meiner Familie tun das auch!) und Geige (wie zwei von uns) und die Familie ist – wie wir - tief im Glauben verwurzelt. Wir sind alle berührt und überwältigt!
ist einfach wunderbar! Beri
I tried to be close to everyone!
Als wir am Donnerstag, dem 24.2. erschüttert realisieren mussten, dass in der Ukraine Krieg begonnen hatte, war in dem Altenheim, in dem ich arbeite, eine Karnevalsfeier geplant. Aber daran war nicht zu denken. Die Stimmung im Haus war sehr bedrückt, eine Bewohnerin weinte und erinnerte sich an ihrer eigenen Kriegserfahrungen.
Beim nächsten Dienst spürte ich eine Beklemmung in meiner Seele. So betete ich auf dem Weg zum Dienst, Gott möge mir helfen, ganz für jeden einzelnen Menschen da zu sein, um Hoffnung schenken zu können. Ich kam an und traf gleich auf zwei Mitarbeiter, die mit Tränen in den Augen von ihrer Erschütterung und ihren Ängste erzählten. „Was können wir nur für die Menschen in der Ukraine tun? Fragten sie sich und mich. Einige Bewohner, denen es sonst schwer fällt über vergangene Zeiten zu reden, erzählten von ihren eigenen Erlebnissen aus den Zeiten des Krieges und der Flucht. Ein junger Familienvater vertraute mir an, dass er als Reservist bei der Bundeswehr sei. Ihm gingen die Bilder von den Männern, die sich in der Ukraine von ihren Frauen und Kindern verabschieden mussten, besonders nah.
Eine Kollegin kommt aus Russland. Sie wirkte sehr bedrückt. Ich sagte nicht viel, streckte meine Arme aus und wir umarmten uns eine ganze Minute lang. Dann sagten wir uns: „Wir beten für all diese Menschen, die unschuldig betroffen sind - in der Ukraine und in Russland. Als wir uns aus unserer Umarmung lösten, sagte sie mit Tränen in den Augen: Ich habe richtig Gänsehaut. Es tat so gut.