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Ich bin glücklich!

Ich hatte  mein Auto vor einem großen Supermarkt geparkt und war auf dem Weg zum Einkauf. Plötzlich fiel mir auf, dass ich keine Maske trug.  Ein kleines Mädchen, das ich vom Schulunterricht her kannte, sah mich und grüßte mich freundlich. Sie sagte: „Du trägst ja gar keine Maske!“ Lächelnd fragte ich sie: „Hast Du denn eine für mich, denn ich hab keine mitgenommen?“ Sie strahlte mich an: „Nein, ich hab auch keine, aber mein Onkel, der hat bestimmt eine für Dich!“ Dann ging sie mit mir zu ihrem Onkel. Er kam aus der Ukraine und gab mir gern eine Maske. Er wollte kein Geld dafür haben. Er war froh, dass er mir etwas schenken konnte.

„Wäre es möglich in euren Netzwerken zu fragen, ob jemand ein Fahrrad zu verschenken oder auszuleihen hätte? Wir sind auf der Suche nach Fahrrädern für einen Jungen (12 Jahre alt, circa 1,55m groß) und seine Mama (circa 1,70 groß), aus der Ukraine, die seit 8 Tagen bei uns wohnen“, lese ich in einer Nachricht. „Bittet und Euch wird gegeben werden!“ schießt mir durch den Kopf. Sofort mache ich mich ans Werk, und verschicke die Botschaft via SMS, WhatsApp und Mails an über 500 Personen. Nach wenigen Augenblicken kommen Antworten. „Wir hätten ein kleines Frauen Fahrrad in 26 Zoll zu verschenken!“ und: „Wir hätten ein Mountainbike, welches wir verschenken würden, müssten es allerdings erst noch neu „bereifen“.

Eine Woche nach dem Osterfest in unseren westlichen Kirchen feiert die orthodoxe Kirche Ostern. Da in unserer Stadt viele Flüchtlinge – vor allem Mütter mit kleinen Kindern – aus der Ukraine angekommen sind, hatten wir uns entschieden, ihnen an ihrem Osterfest eine kleine Freude zu bereiten. So war ich in vier Supermärkten unterwegs, um die noch verfügbaren Schokoladen-Eier und bunte Hühnereier zu ergattern. Als ich jeweils die vielen bunten Eier auf das Fließband an der Kasse legte, schmunzelte mich jedes Mal die Kassiererin an und fragte – in leichten Abwandlungen – jedes Mal: „Hat Sie denn der Osterhase vergessen!“ Auf meine Antwort hin: „Ja, der ist jetzt auch schon älter geworden und schafft nicht mehr alle Nester zu füllen.“ Nach einem kleinen Schmunzeln fügte ich jeweils hinzu: „Wissen Sie, die sind für die ukrainischen Kinder, die als orthodoxe Christen eine Woche später Ostern feiern als wir!“ Ich schaute in erstaunte Gesichter und hörte vier Mal: „Toll, dass Ihr Euch für diese Kinder und Mütter stark macht!“

In meiner Nachbarschaft wohnt eine Frau, die ursprünglich aus der Ukraine stammt und schon länger hier wohnt. Sie hat zwei erwachsene Söhne, die wegen des Krieges noch in der Ukraine leben und das Land nicht verlassen können. Seit einigen Tagen spürte ich den Impuls, zu ihr zu gehen und ihr ein Zeichen der Verbundenheit zu schenken. Aus verschiedenen Gründen war ich aber unsicher, da ich die Sorge hatte, dass ich ihr vielleicht damit zu nahe treten könnte. Bisher gab es auch keine Gelegenheit, ein paar Worte miteinander zu wechseln. Ich konnte die Situation schwer einschätzen.
Ein kurzes Gespräch mit einem anderen Bekannten machte mir Mut, diese Unsicherheit zu überwinden Ich nahm Blumen und eine kleine Osterkerze und schellte bei ihr. Als sie öffnete, sagte ich ihr, dass ich viel an sie und ihre Söhne denke. Sie freute sich sehr über dieses kleine Zeichen der Verbundenheit. Mit Tränen in den Augen bedankte sie sich und erzählte, dass einer ihrer Söhne in einer Stadt ist, die gestern angegriffen wurde. Als ich wieder Zuhause war, musste ich auch weinen. Soviel Leid überall. Ich bin dankbar , dass ich meine Unsicherheit überwinden konnte und dadurch ein klein wenig Freude schenken und mittragen durfte.