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Ich bin glücklich!

Was für eine Freude! Der kleine Junge - aus einer Asylanten-Familie stammend, den ich heute zu einer schwierigen Untersuchung begleitet habe, ist so weit gesund - auch wenn er weiter unter ärztlicher Beobachtung bleiben muss. Und dennoch war dieser Nachmittag wieder wie ein Abenteuer. Die Ärztin war zunächst sehr geschäftsmäßig, fast schon abweisend zu uns. Die Frage an mich gerichtet: "Und wer sind Sie, wenn ich fragen darf?" - "Dürfen Sie gerne! Ich bin eine Frau aus der Nachbarschaft des Asylantenheims!" - "Wieso kommen Sie dann mit?" fragte sie ziemlich irritiert. "Wer soll es denn sonst tun? Es finden sich leider nicht viele Leute, die sich um Asylsuchende kümmern wollen. Ich hab die Botschaft des Papstes mitbekommen, die er an die Jugendlichen beim Weltjugendtag gerichtet hat. Es war mehr als eindeutig, dass wir uns um die Menschen kümmern sollten, die am Rande stehen!"  Schweigend sah sie mich an und sagte: "Beeindruckend!"  Ganz freundlich wurde sie, richtig bemüht und sie holte sogar noch den Praxisleiter zur Untersuchung, da der Befund wohl eher selten ist und sie ganz sicher gehen wollte. Selbst er hat sich bei mir für die Begleitung bedankt! - Die Stimmung war wie umgewandelt.

Aus Afrika war er zu uns gekommen. Abends saßen wir bei Tisch - Brot und Wein auf dem Tisch. Brüderliche Zeichen. Er begann zu erzählen. Ich kannte die Geschichte seines Landes aus eigenem Erleben. Innerhalb von 100 Tagen hatten sich zwei Jahrzehnte zuvor eine Millionen Menschen gegenseitig umgebracht. Mit innerster Anteilnahme hörten wir zu. Fassungslos standen wir vor dem, was geschehen war. “Wir können es heute immer noch nicht verstehen, wie mein Volk das tun konnte!” Tränen füllten unsere Augen. Es folgten Augenblicke tiefen Schweigens. Es war ein Inne-Halten und ein miteinander Aus-Halten. In diesen Augenblicken hatte ich den Eindruck: “Gott spricht zu uns! - ER fragt nach dem Herzen von Brüdern und Schwestern!” Unser Gast erzählte weiter. “In diesen Wochen kommen Hunderte, oft sogar Tausende von Flüchtlingen aus dem Nachbarland, in das sie vor 20 Jahren geflohen sind, zurück. Sie können dort nicht mehr bleiben. Sie kommen mit ihrem kleinen Bündel von Habseligkeiten. Und dann finden sie Obdach in großen Zelten, denn sie haben kein Land und kein Haus mehr!” Wir sahen Fotos. Wieder neu spürte ich: Gott ruft! Hatte ER doch bei seiner Ankunft hier auf der Erde auch keine Bleibe gehabt und war ER doch als Kind ebenfalls Flüchtlingskind gewesen. - Die Heimkehrer brauchen Häuser! Das schien sonnenklar. Damit war die Aktion geboren: “Häuser für Heimkehrer”. Jedes kleine Haus für eine Familie kostete 1500 Euro. Noch in der Nacht begannen wir, Freunde anzurufen und mails herum zuschicken. Am vorherigen Tag hatte ein junger Mann aus einer benachbarten Stadt wegen eines Freiwilligen Sozialen Jahres bei mir vorbei geschaut. Er leitete eine Jugendgruppe. Auch ihn schrieb ich an...
Nach zwei Tagen bereits war ein Netz von Hilfswilligen auf dem Weg. “Ein Haus schaffen wir doch auf jeden Fall!” hatte die Vorsitzende einer Frauen-Gruppe gesagt und all ihre Mitglieder hatten zugestimmt. “Ich will auch ein Haus schenken!” sah ich in der Mail einer jungen Frau, die vor Jahren bei einem Verkehrsunfall schwerst verletzt worden war und seither mit einer starken Behinderung zu leben hatte. “Ich gebe auch das Drittel eines Hauses!” höre ich eine Witwe sagen...Und der Junge Mann schrieb: “Die Jugendlichen meiner Gruppe sind schon voller Ideen und Tatendrang. Wir werden es wohl auch schaffen!” Wieder neu verstand ich: Gott braucht unser Vertrauen auf IHN. Wenn wir uns vertrauensvoll auf ihn hin ver-lassen, dann läßt er seine Fülle sprechen!

In der vergangenen Woche sind zwei junge Menschen aus meinem Heimatland bei mir aufgekreuzt. Sie wollen nun in dem für sie fremden Deutschland Fuß fassen. Meine Familie und ich haben sie in unsere Wohnung aufgenommen. Da unsere Wohnung nicht viel Platz bietet, machte ich mir bis kurz vor ihrer Ankunft Gedanken, wo wir alle ihre Sachen deponieren sollten. Während ich noch darüber nachdachte, rief eine Freundin an und sagte: “Meine Kinder möchten einen Kleiderschrank abgeben. Weißt Du jemanden, der den gebrauchen kann?” - “Dich läßt der Himmel anrufen!” sagte ich meiner Freundin. Wenige Minuten später bin ich mit einer anderen Freundin schon auf dem Weg, um den Schrank abzuholen. Sie hilft mir auch  ihn aufzubauen. Kurze Zeit nachdem er steht, kommen auch schon die beiden Jugendlichen - und alles, was sie mitbringen, passt in den Schrank.

Auf einmal war er da, der Impuls zur Kirche zu gehen. Und so hab ich mich nach einem Spaziergang mit meiner Familie auf den Weg zur Kirche gemacht. Irgendwie war ich wieder neu auf der Suche nach Gott. Während der Messe, bekam ich den Friedensgruss gereicht. Ich gab diesen Gruß weiter und wollte ihn auch noch einer älteren Dame bringen, die ein paar reihen vor mir saß. Dazu mußte ich an einer anderen Frau vorbei. Als diese verstand, dass ich der Älteren den Frieden wünschen wollte, winkte sie ab mit der Bemerkung, die ältere Frau sei ein wenig wirre. “Ja gerade deswegen will ich doch gehen!” entfuhr es mir. Als ich der älteren Frau dann meine Hand reichte, strahlte sie - und dieses Strahlen kam ebenso aus meinem eigenen Herzen. In diesem Augenblick spürte ich Gott so nahe, wie schon lange nicht mehr. Aber mit meinem Beten war ich vor allem bei der ersten Frau. Möge auch sie neu die Kraft der Liebe und des weitergeschenkten Lebens entdecken.