Ich bin glücklich!
Es war ein langer Tag - voller Begegnungen. Nun war ich auf dem abendlichen Heimweg, ein paar Jugendliche saßen im Auto. Ein tiefer ehrlicher Austausch hatte begonnen. Sehr persönliche Fragen kamen ins Gespräch. Nur noch 10 Minuten, dann würden wir zu Hause sein. Der erste Hinweis auf unsere Autobahn-Abfahrt lag schon im Blickfeld. Es war dunkel geworden. Plötzlich vor uns: lauter eingeschaltete Warn-Blink-Anlagen. Ein Sportwagen war in die Leitplanke geschleudert. Er sah übel zugerichtet aus. Die ersten Fahrzeuge hatten schon angehalten. Ersthilfe schien gesichert. Die Unfallstelle wurde gerade gesichert. Sollten wir auch noch anhalten? Müdigkeit, das gute vertraute Gespräch und die Sehnsucht, bald nach diesem langen Tag zu Hause zu sein, schienen dagegen zu sprechen. Leise hörte ich das Motto dieses Monats in meiner Seele. “Du für mich - ich für dich!” Ich verstand. In denen, die gerade in den Unfall verwickelt waren, fragte ein Anderer nach mir. Wir stoppten. Liefen zur Unfallstelle. Es war glücklicherweise niemand verletzt. Und es saß niemand mehr in dem Unfallfahrzeug. Wir riefen die Polizei, die schon bald kamen. Der verunfallte Fahrer stand hinter der Leitplanke - stark zitternd, noch unter Schock. Wir kümmerten uns um ihn. “Danke, dass ihr alle so schnell angehalten habt! Ich hatte solche Angst. Ich war von einem anderen Fahrzeug touchiert worden, der leider weiter gefahren ist, bin ins Schleudern gekommen und fand mich dann in der Leitplanke wieder. Und ich hatte solche Angst, dass die nachfolgenden Fahrzeuge nicht mehr bremsen konnten...” Wir teilten seine Not und Angst. Ihm tat es gut, alles so schnell erzählen zu können. Dann entließ uns ein Polizist - ebenfalls mit einem Danke.
Eine Predigt während eines Gottesdienstes hatte mich getroffen und blieb in meinen Gedanken lebendig. Es ging darum, sich nicht wie ein Luftballon aufzublasen, sondern immer neu die “Luft des Stolzes” raus zu lassen und bereit zu sein, sich klein zu machen - aus Liebe (zu Jesus). Im Evangelium, das ich vorher gehört hatte, hatte ich gehört: “Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden!” Nach der Messe ging ich mit einer ganz anderen Stimmung aus der Kirche, als ich in sie hinein gekommen war. Ich wollte total aufmerksam sein, wo ich wirklich helfen konnte. Heute bekam ich eine Chance: Einer älteren Frau fiel ihre Einkaufstasche zu Boden - mit all dem, was sie eingekauft hatte. Sofort war mir klar. “Jetzt hilfst du, alles wieder einzuräumen!” Und ich kann sagen: “Es fühlt sich gut an!”
Immer neu eröffnet uns Gott neue Wege! Diese Erfahrung kann ich nach unserem gelungenen Ferienlager mit Euch teilen. Wir hatten einiges an Lebensmitteln übrig behalten. Natürlich wollten wir sie am Ende des Lagers nicht wegschmeißen. Also habe ich beim dortigen Pfarrbüro angerufen und nachgefragt, welche soziale Einrichtung in der Nähe die Lebensmittel gebrauchen könnte. Allerdings fühlte sich die Dame im Pfarrbüro nicht zuständig und ich merkte schnell, dass sie auch keine Arbeitszeit in meine Frage investieren wollte. Frustriert und enttäuscht stand ich vor dem Pfarrzentrum und überlegte, wo ich die Lebensmittel abgeben könnte. In diesem Augenblick fiel mein Blick auf ein Auto von der Caritas, das nur wenige Meter von mir geparkt war. Bei dem Wagen standen zwei Männer. Ich sprach sie an und schilderte ihnen mein Anliegen. Hocherfreut reagierten die beiden: “Wissen Sie was, wir sind gerade auf dem Weg zur Tafel und da kommt uns Ihre Spende mehr als gerufen!”
Jetzt - nach den großen Ferien - werde ich an einer neuen Schule beginnen. So hab ich in den letzten Tagen bei mir zu Hause meine Abschlussparty gefeiert. Wurde ganz schön groß, denn ich hatte um die 50 Leute eingeladen. Es war ein Super-Abend!
Irgendwann standen plötzlich noch mehr Leute vor der Tür, die wohl von anderen eingeladen worden waren. Ich hatte kurz Angst die Kontrolle zu verlieren, weil die teilweise auch deutlich älter waren, als ich! In diesem Augenblick hab ich mich kurz vor Gott gestellt und ich spürte, dass er mir innerlich Mut gab. So wagte ich es und ließ alle rein. Die Neuen waren schnell “drin” und der Abend wurde noch lustiger und schöner. Es hat sich völlig gelohnt, mich auf etwas Unbekanntes einzulassen. Das alles wurde nur möglich durch den Mut, den Gott mir gab.