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Ich bin glücklich!

Advent 2024 – Auf dem Weg mit Texten von Etty Hillesum

Wir laden im Netzwerk go4peace ein, den Advent 2024 mit Texten von Etty Hillesum zu gestalten. Wir treffen uns im Verlauf der adventlichen Tage drei mal abends zu englischsprachigen Zoom-Meetings und hören von jungen Europäer*innen persönliche Erfahrungen zu drei Themen. Am Samstag den 30.11.2024 geht es los!

Hineinhorchen in mich selber 
(Samstag, 30.11.24, 19.30 Uhr)

Text

Mir selbst anvertraut
(Mittwoch, 11.12.24, 19.30 Uhr)

Text

Gott helfen, in mir nicht zu erlöschen
(Samstag, 21.12.24, 19.30 Uhr)

Text

Bei den Zoomtreffen wird es auch noch kurze Zeiträume geben, um eigene Erfahrungen auszutauschen. Zwischen den Treffen bist du eingeladen, aufmerksam mit dir selber unterwegs zu sein und dir täglich 10-15 Minuten Stille zu gönnen, um dich dem Geschenk deines Lebens und dem darin verborgenen Gott auszusetzen.

Anmeldung für die Zoom-Meetings

Der Zoomlink für die Meetings wird rechtzeitig per E-Mail zugeschickt!

Etty Hillesum

Etty Hillesum, im Jahr 1914 in den Niederlanden in eine nicht praktizierende jüdische Familie hinein geboren, mit 29 Jahren 1943 in Auschwitz ermordet, kommt in den schrecklichen Gräuel des Zweiten Weltkrieges Gott, dem Immanuel, in einzigartiger Weise auf die Spur. Sie betet nicht wie ein bettelndes Kind zu einem allmächtigen Gott, vielmehr entdeckt sie Seine Gegenwart in der Ohnmacht, in der er mit uns leidet. Sie erlebt Gott wie ein geheimnisvolles Feuer im Herzen des Menschen, das zu erlöschen droht, wenn der Mensch es nicht durch sein Vertrauen nährt. Sie schreibt - an Gott gerichtet: „Fast mit jedem Herzschlag wird mir klarer, dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen und deinen Wohnsitz in unserem Inneren bis zum Ende verteidigen müssen.“ – „Ich werde in naher Zukunft noch sehr viele Gespräche mit dir führen und dich auf diese Weise hindern, mich zu verlassen.“ Mit Texten von Etty werden wir im Netzwerk go4peace im Advent 2024 Gott, der häufig unter vielen Steinen und Schutt wie ein tiefer Brunnen in uns lebt, zu entdecken suchen. An drei Abenden werden wir - europaweit vernetzt - Impulsen folgen und unsere Erfahrungen teilen.

CC BY-SA 4.0 Rob Bogaerts / Anefo, traitement par IA : Madelgarius

Hineinhorchen  (Samstag, 30.11.24, 19.30 Uhr)

„… und wenn ich sage, ich  ‚horche hinein‘, dann ist es eigentlich Gott in mir, der ‚hineinhorcht‘. Das Wesentliche und Tiefste in mir, das auf das Wesentlichste und Tiefste im anderen horcht. Gott zu Gott.“

Mir selbst anvertraut (Mittwoch, 11.12.24, 19.30 Uhr)

„Es ist ein langsamer und schmerzhafter Prozess, zur wirklichen und innerlichen Selbständigkeit geboren zu werden. Immer mehr zur Gewissheit zu gelangen, dass es nie und nimmer Hilfe, Unterstützung und Zuflucht bei anderen für dich gibt.“

Gott helfen (Samstag, 21.12.24, 19.30 Uhr)

„Ich will dir helfen Gott, dass du nicht in mir zugrunde gehst, aber im Vorhinein kann ich für nichts garantieren. Eines aber wird mir immer klarer: dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen, und dadurch helfen wir uns selbst. Es ist das Einzige, was wir in dieser Zeit bewahren können, und auch das Einzige, worauf es ankommt: ein kleines Stück von dir in uns selbst zu retten, Gott. Und vielleicht können wir mithelfen, dich in den gequälten Herzen anderer auferstehen zu lassen.“

Eine ältere Frau hatte vor einigen Jahren schweren Herzens unsere Gemeinde verlassen und war altersbedingt zu ihrer Tochter gezogen. Ob sie wohl noch lebt, fragte ich mich immer wieder. All diejenigen, die ich ebenfalls danach fragte, hatten auch keine weiteren Informationen. Am heutigen Sonntag, an dem es im Tagesevangelium um die Gottes- und Nächstenliebe ging, war ich einem Impuls gefolgt und hatte in einige WhatsApp-Gruppen ein vor einigen Monaten gefertigtes Video „Es gibt nur EINE Liebe!“ gestellt. Als ich eben auf mein Handi schaute, durfte ich von eben dieser alten Dame lesen: „Ich versuche dieser EINEN Liebe zu folgen und sie zu leben und fühle mich dadurch gestärkt. Versucht es auch! Es macht stark!“

Allerheiligen. Ich verbrachte den Tag mit meiner fast 90jährigen Mutter. Mir kam als Impuls, nachmittags mit ihr eine alte romanische Kirche im Sauerland zu besuchen. Ihr Kräftehaushalt ließ es zu.  Gern willigte sie ein. Nach gut einer Stunde Fahrt betraten wir die Kirche –schweigend, die Atmosphäre dieses alten Kirchenbaus nahm uns in Bann. Langsam gingen wir nach vorn und setzen uns in eine der Bänke. Wir betrachteten die über 1200 Jahre alte Fresken. Christus in der Mandorla mit den 4 Symbolen für die Evangelisten in der Kuppel. Unterhalb der Mandorla war eine Darstellung Mose beim brennenden Dornbusch zu sehen. Der „Ich bin da!“ hatte Mose zu den Israeliten geschickt. Diese Darstellung wirkte in unsere Seelen. Wir begannen von unseren eigenen Gottesbildern zu erzählen. Heilige Augenblicke. Auf einmal hatten wir den Eindruck: ER ist da!

„Wir möchten dir gern ein paar Fragen zu deinem Glauben stellen. Geht das?“ lese ich in der WhatsApp einer Jugendlichen, die sich vor einem Jahr hatte firmen lasen. „Na klar!“ schrieb ich zurück. Wenige Tage später trafen wir uns zu dritt, ein Jugendlicher, die Anfragende und ich. „Was hast du für eine Vorstellung von Gott, ist sie eher anthropomorph oder anders?“ war eine Fragen. „Ne, so einen alten Mann im Himmel zu haben, dessen Bart nie länger wird und der immer gleich aussieht, das geht für mich nicht!“ ließ ich die beiden wissen. „Mir hilft vielmehr die Frage des Mose: ‚Was soll ich den Israeliten antworten, wenn sie mich fragen, wer mich geschickt hat? Und dann hört er die Antwort, der Ich-bin-da hat dich gesandt. - Wenn ich oft in Stille einfach ganz da zu sein versuche, dann überkommt mich eine tiefe Ahnung, dass ich da nicht allein bin. Ich spüre die Gegenwart dessen, der mich geschaffen hat und unendlich liebt. Und dieser Gott ist genauso da, wenn wir in seinem Namen, der ja Liebe ist, versammelt sind. Ich hab den Eindruck, wir machen jetzt gerade diese Erfahrung!“ Gebannt hören die beiden zu. „Boh, das hat uns noch nie jemand so gesagt. Wir haben jetzt ganz viel Stoff für unsere Präsentation. Ja, Gott ist nicht nur ein Wort, sondern er ist – wie du gesagt hast – eine Wirklichkeit. Ich spüre jetzt wie er wirkt!“ sagte die junge Frau. Dann verabschieden wir uns.