Ich bin glücklich!
Ich wusste um seine Krankheit. Sie währte nun schon einige Jahre. Beim letzten Telefonat hatte ich den Eindruck, dass es ernster geworden war, obwohl er aus einer tiefen Zuversicht heraus zu leben versuchte. Ich verschob einen anderen Termin und machte mich auf den weiten Weg. Als ich ankam, nahm er mich herzlich in den Arm. „Wo kommt Du denn jetzt her?“ Als er erfuhr, dass ich eigens für ihn gekommen war ohne Begleittermine, rührte ihn das sehr. Seine Enkelin war da, ein sehr aufgewecktes Mädchen. Wir tranken Kaffee und teilten Leben. Die Enkelin machte Reime mit ihrem Opa: „Oma liegt im Liegestuhl, ihre Enk’lin find‘ das cool, im Vordergrund die Hummeln brummen, und in den Blüten Bienen summen.“ Dann lacht sie herzlich und geht in ein Nebenzimmer, um zu malen. Unser Gespräch umgreift nun die Krankheit. Ich versuche ganz da zu sein. Viel kommt ins Gespräch: Angst und Ungewissheit, tiefe Dankbarkeit und ein echtes Vertrauen. Nach drei Stunden geteilten Lebens fahre ich wieder. Am nächsten Tag lese ich in einer Mail: „ Herzlichen Dank für deine so wertvolle Nähe. Sie tut mir einfach gut – mehr als manche Medikamente!“
Seit Wochen hatte ich gespürt, dass es einem jüngeren Menschen nicht gut ging. Irgendwie schien das Leben schwer. Ich lud ihn auf einen Kaffee ein. Wir fanden einen guten Ort in einem Schnell-Café. Mitten im Trubel eines normalen Alltags entwickelte sich ein ehrlicher Austausch. Schnelle Lösungen für einige Fragen gab es nicht, aber es war gut, einander all die Fragen anzuvertrauen und sie damit ins Licht zu bringen. „Es tut so gut, das alles einfach zu sagen!“ durfte ich hören. Ich spürte, die Hälfte der Last war damit genommen. Ich spürte den Impuls, noch ein „Mehr an Liebe“ zu zeigen. „Was fehlt Dir denn noch in Deiner Wohnung?“ fragte ich. Die Fenster brauchten noch dringend Gardinen. So fuhren wir noch in ein Möbelhaus und besorgten all das, was noch nötig war. Als wir auseinander gingen schaute ich in Augen voller Frieden.
Ein Tag mit einer totlangweiligen Arbeit lag vor mir. Als erster Schritt musste von meinem gesamten Computer eine Sicherungskopie erstellt werden. Für mich bedeutete das, lange auf den screen zu schauen und bei Problemen immer wieder einzugreifen. So saß ich da und fragte mich: Wie kannst Du diese Augenblicke in Ewigkeitsmomente umwandeln? Plötzlich kam mir unsere Fastenzeit-Idee in den Sinn, jeden Tag Menschen zu kontakten. Ich begann WhatsApp-Nachrichten an junge Leute in verschiedenen Ländern Europas zu versenden. Es entwickelte sich eine kommunikative Landschaft und mancher schrieb mir zurück: „Danke, dass Du an mich denkst!“
In meinem Religionsunterricht in der Grundschule entstehen oft sehr vertrauensvolle Beziehungen zu den Kindern. Sie erzählen mir ehrlich, wie es ihnen geht. Die Botschaft von der unendlichen, bedingungslosen Liebe Jesu, berührt sie oft sehr, zu schön, um wahr zu sein, gerade in diesen chaotischen Zeiten. Eine Schülerin hat vor wenigen Monaten noch gesagt: „Alles an mir ist ein Fehler. Was soll Jesus an mir schon lieben?“ Nach vielen kleinen Schritten hat sie mir ein Bild geschenkt, in dem sie den Weg von ihren Zweifeln bis hin zu ihrem Glauben an Gottes Liebe gemalt hat. Das war sehr berührend für mich, ihr tiefes Glück zu sehen.
En Junge meiner Klasse ist mit seinem aufbrausenden Temperament kaum noch unterrichtbar. Seine Eltern werden kaum noch mit ihm fertig und haben geäußert, ihn abzugeben. Das hat ihn zutiefst gekränkt und verunsichert. Vor wenigen Tagen brachte er völlig überraschend ein Kreuz mit in die Religionsstunde. Er hat immer gesagt: „Mich mag doch niemand!“ und wollte mir deshalb auch nicht glauben, dass ich ihn sehr mag. Dass Jesus ihn liebt, wenn seine eigenen Eltern ihn abgeben wollen, wollte er schon gar nicht glauben. Als er mir das Kreuz gab, lag darin die Hoffnung: „Vielleicht gibt es ja doch einen Gott, der mich nicht wegschicken würde, mich ertragen kann und sogar lieben, wie ich bin.“ Wir haben das Kreuz in die Mitte gelegt, und die anderen Kinder haben jeweils einen schönen Stein dazu gelegt und eine Idee genannt, wie sie mithelfen können, Liebe in die Welt zu bringen. Der Junge war sehr stolz und glücklich, weil sein Kreuz in der Mitte lag und er auch etwas für Jesus tun konnte.