Ich bin glücklich!
„Geh noch kurz in den Kleiderladen!“ kam mir als Impuls ins Herz. Obwohl der Tag übervoll war, folgte ich dem Impuls. Dort traf ich auf viele Flüchtlinge aus unserer Stadt. Ich lernte eine Lehrerin aus Cherson kennen, die mit drei Kindern gekommen war. Ihr versprach ich Socken für die Kinder, die meine Mutter zurzeit für viele Flüchtlinge strickt. Eine ältere Frau freute sich, dass wir uns begegneten. „Wegen Corona war ich lange nicht hier! Aber ich spüre wie gut es ist, dass wir uns hier treffen können!“ Schüchtern stellte sie mir ihre Freundin vor. Auch sie konnte ich herzlich zum Lachen bringen. Und ich begegnete einer Syrerin, die ich schon viele Jahre kenne. Sie ist eine hoch engagierte Frau und hat all ihre Kinder unter schweren Bedingungen ins Leben gebracht. Als ich sie begrüßte, sagte sie mir: „Wir haben auch ganz viel Essen gemacht und es verkauft. Damit haben wir 850 € gesammelt. Und die haben wir in die Ukraine geschickt. Wir müssen doch den Menschen helfen, die Hilfe brauchen!“ Ganz gerührt verließ ich wieder den Laden. Die, die wenig haben, geben denen, die gar nichts mehr haben.
Jesus hatte sich von der Lebens- und Leidensgeschichte des Lazarus tief anrühren lassen. Er hatte ihn aus seinem Grab heraus gerufen: „Komm heraus!“ Dieser Ruf war mir tief ins Herz gefallen Und ich hatte erzählt, wie ich als Jugendlicher gestottert hatte und ein junger Priester an mich „geglaubt“ und mir geholfen hatte, mich ins Leben zu wagen. Am Abend des Tages las ich einer Mail: „Als ich heute Morgen in der Messe erfahren habe, dass Du als Jugendlicher gestottert hast, sind so viele Gesichter jüngerer Menschen vor meinem inneren Auge aufgetaucht: Kinder, die jetzt schon mit Dunkelheiten und großen Hürden kämpfen müssen. Aber vielleicht ist es gerade Moni, die später Kindern mit Lernschwierigkeiten ganz viel Geduld und Liebe entgegenbringt. Und vielleicht ist es gerade Paula, die anderen verzweifelten Jugendlichen später bewusst macht, wie wertvoll sie sind. Viele andere Beispiele könnte ich noch aufzählen. Das bestärkt mich weiter darin, diesen Kindern so viel Liebe und Ermutigung zu geben, wie irgendwie möglich.“
Auf halber Strecke hatten wir uns in einem Café getroffen. Schnell fanden wir in einen tiefen und ehrlichen Austausch. Viel Sorgenvolles im Hinblick auf unsere Welt und unsere Kirche kam ins Wort, aber auch viele hoffnungsvolle kleine Zeichen. Das Licht der Hoffnung brannte spürbar unter uns. Eine Jugendliche bediente uns im Café. Sie schien noch neu im Geschäft zu sein und wirkte noch ein wenig scheu. Aber sie spürte das lebendige Miteinander an unserem Tisch und kam immer wieder um zu fragen, ob wir noch einen Wunsch hätten. Jedes Mal mühte ich mich, sie ein wenig aufzumuntern und zum Lachen zu bringen. Da wir nach dem Cappuccino Rhabarber-Saft tranken und ich den Saft sehr genoss, scherzte ich, einen „Rhabarber e.V.“ gründen zu wollen. Ob sie auch Interesse habe, beizutreten, fragten wir sie. Sie strahlte. Am Ende schenkte ich ihr unseren Kalender „Worte wie Sterne in dunkler Zeit“. Beglückt nahm sie ihn entgegen. Als wir das Café verließen, rief sie uns zu: „Danke für Eure Freundlichkeit und schauen Sie mal!“ Sie wies mit dem Finger auf eine Wand neben der Ausgangstür. Dort hing nun der Kalender – wie ein Stern in dunkler Zeit.
„Ich bin jetzt wieder gesund. Kannst du mich abholen?“ lese ich in einer WhatsApp. Es war am Ende eines langen Tages. Ich war müde und wusste nicht, ob ich dieser Situation emotional noch gewachsen sein würde. Dennoch machte ich mich auf den Weg. Ich bat Jesus inständig, mir beizustehen und mir einzugeben, was ich sagen soll. Ich hatte weder die Kraft, noch das Selbstbewusstsein zu diesem Zeitpunkt, komplizierte Gespräche zu führen und hielt Jesus diese Hilflosigkeit hin. Ich fühlte SEINE Nähe deutlich und konnte in diesem Vertrauen weiterfahren. Die sich anschließende Begegnung ging richtig gut. Wir sprachen über viele Dinge, die uns wichtig sind. Ich hatte den Eindruck, ER war mit dabei.
Kaum war ich zu Hause, musste ich noch ein Gespräch mit einer traurigen und besorgten Mutter führen. Sie hatte große Erziehungsschwierigkeiten mit ihrem Kind. Ich musste nicht nachdenken. Ich habe einfach das gesagt, was mir ins Herz kam. Am Ende war sie sehr erleichtert, fühlte sich verstanden und war wieder zuversichtlich. Jesus hat genau das für mich getan, warum ich ihn gebeten hatte. Ich kann es immer noch nicht richtig fassen, dass so etwas wirklich passiert. Er geht wirklich jeden einzelnen Millimeter mit.