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Ich bin glücklich!

Nach längerer Zeit war mir der Impuls gekommen, mich bei einer muslimischen Lehrerin mal wieder zu melden. Sie schrieb mir zurück: „Gestern Abend musste ich wieder an dich denken und habe gehofft, dass du mir bald schreibst, weil ich ein neues Handy habe und einige Nummern abhanden gekommen sind wie deine. So schön, dann heute von dir zu lesen.“ Und dann erzählte sie vom vortägigen Fastenbrechen, zu dem viele Menschen gekommen waren und zu dem sie ein besonderes Gebet geschrieben hatte. Darin hieß es u.a.: „In der jüdischen Tradition beten wir: „Gewähre Frieden, Güte und Segen, Gnade, Barmherzigkeit und Erbarmen über uns und über alle Welt.“ Gott des Bundes, breite deinen Schalom aus – nicht als flüchtigen Waffenstillstand, sondern als heilendes Ganz-Sein, als Versöhnung, die Brücken baut, über die Schluchten der Geschichte.- Im christlichen Zeugnis hören wir die Worte Jesu: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht.“ Schenke uns diesen Frieden, der tiefer reicht als Verträge und Grenzen, der Angst verwandelt in Vertrauen und Feindschaft in die Kraft, neu zu beginnen. - Und im Koran heißt es: „Wer einen Menschen rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet.“ Du Gott, der Barmherzige, erinnere uns daran, dass jedes Leben heilig ist und dass kein Blutvergießen deinen Namen ehrt. – Reich beschenkt schrieb ich ihr ein von Herzen kommendes Danke!

Sie war auf der Zielgeraden zum Abitur angekommen. Was sie danach machen wollte: „Keine Ahnung!“ Aber irgendeine Entscheidung musste ja her. Sie nahm sich Zeit, überlegte, wohin ihr Weg gehen könnte. Auf keinen Fall Lehrerin, denn das waren alle in ihrer Familie. Aber dann kam die Frage: „Warum eigentlich nicht?“ Sie wollte doch immer Menschen dabei unterstützen, ihren eigenen Weg gehen zu lernen und gerade diejenigen, die es schwerer hatten als andere.

Sie führte viele Gespräche, fragte nach Einschätzungen und hielt es aus, dass es immer noch nicht klarer wurde. Im Gespräch mit ihrer besten Freundin kam unerwartet die Frage: „Hast du schon mal an Förderlehrerin gedacht?“ Sie wusste gar nicht genau, worum es da ging. Als sie wieder zu Hause war, recherchierte sie über eine Stunde im Internet. Und auf einmal war da ein Gleichklang zwischen dem, was sie über das Berufsprofil las und was sie gern in ihrem Leben machen wollte. Sie lief zu ihrer Familie und ließ sie wissen: „Ich hab’s, ich weiß jetzt, was ich machen werde!“

Auch Petrus hat eine ähnliche Erfahrung gemacht. Mit seinen Fischerkollegen hat er die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen. Als Jesus ihn am nächsten Morgen bittet, die Netze nochmals auszuwerfen, tut Petrus, was Jesus ihm aufträgt, und fängt eine riesige Menge an Fischen.

So sind wir in diesem Monat eingeladen, das zu tun, was jeweils dran ist. Oft gibt dir das Leben dann etwas, womit du nicht gerechnet hast. Also: Tu, was jetzt zu tun ist.

Auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen!  (Lk 5,5b)

 

Für eine kurze Besorgung war ich zum Baumarkt gefahren. Als ich aus dem Auto stiegt, lief ein Mann mittleren Alters auf mich zu, schaute mich mit großen Augen an und umarmte mich herzlich. Voller Überraschung erinnerte ich mich an ihn. Wir hatten uns sechs bis sieben Jahre nicht gesehen. Er war vor gut einer Dekade aus dem Nahen Osten gekommen und ich hatte ihm anfangs viel helfen können. Später waren auch seine Frau und seine Kinder nachgereist. Auch ihnen hatten ich bei den ersten Schritten in unserem Land behilflich sein können. Als ich in die Augen dieses Mannes schaute und diese – fast kindliche – Freude in ihnen sah, kamen mir – voller Dankbarkeit - all die kostbaren geteilten Lebenserfahrungen wieder ins Herz. Wir sprachen kurz. „Hast du immer noch die gleiche Telefon-Nummer?“ fragte er mich. Ich bejahte. Dann gingen wir tief beglückt, einander wieder begegnet zu sein, unserer Wege. Eine solche Dankbarkeit hatte ich lange nicht mehr erlebt!