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Ich bin glücklich!

Durch einen tragischen Unfall hatte sie ihren Ältesten verloren. Immer wieder hatte ich sie nach diesem Schock besucht. Nun war sie – aus einem orientalischen Land stammend – mit ihren drei kleineren Kindern allein unterwegs. Meine Mutter hatte Socken für die kleineren Kindern gestrickt. Eines Sonntags brachte ich diese Geschenke vorbei. Wir tranken gemeinsam Tee. Mehr und mehr brach die Verzweiflung aus ihr heraus. Ich hörte zu – viele Stunden. Ich hielt diesen unendlichen Schmerz mit ihr aus. Als ich ging, sagte sie: „Für dich ist das ja auch richtig schwer. Denn so einen geteilten Schmerz kannst du ja auch nicht einfach abschütteln. Aber Danke. Mein Herz ist leichter geworden!“

Seit über 20 Jahren stelle ich jeden Morgen ein kleines einprägsames Motto in deutscher und englischer Sprache zum Tagesevangelium in die  App go4peace. Ich weiß von vielen jungen Erwachsenen aus ganz Europa, die mit diesem Impuls leben. Vor einigen Tagen erreichte mich eine Botschaft: „Lieber Meinolf! Das Tagesmotto aus der App heute hat mich auf meiner Uhr erreicht, in einem Moment in dem ich mir nicht sicher war, wie ich mir selbst gerade helfen könnte. Ein vibrieren an meinem Handgelenk, schneller Check wer mir geschrieben haben könnte und da erscheint auf meiner Uhr: ‚Bleib bei Jesus!‘  Das war der Zuspruch den ich heute brauchte. Mich nicht von verwirrenden, Angst machenden Gedanken weg tragen lassen. Sondern mich auf Jesus fokussieren. Bei IHM zu bleiben! Und dann zu spüren wie er auch bei mir bleibt. Häufig zieht das Tagesmotto an mir vorbei, ich sehe es kurz auf dem Handy, manchmal spricht es mich an, manchmal weniger. Aber heute war es, als hätte Gott sich gedacht: diesen Zuspruch braucht sie heute! Die Funktion der App, täglich Zuspruch zu erhalten, ist wunderbar!“

In einer Mail durfte ich lesen: In einer menschlich schwierigen Situation waren wir einander begegnet. Sie hatte in ihrem Leben vieles falsch gemacht und fühlte sich deshalb wie der Abschaum der Gesellschaft. Ausgemachte Termine hatte sie oft kurzfristig abgesagt. Es war nicht leicht, mit ihr umzugehen. Nun kam sie unerwartet vorbei, weil sie in eine andere Region ziehen wollte. Sie ließ mich wissen: „Ich bin gekommen, um mich bei Ihnen persönlich zu bedanken! Sie haben an mich geglaubt und mir immer das Gefühl gegeben, dass ich ein Mensch bin, irgendwie wertvoll, trotz aller Fehler. Und dafür danke ich Ihnen sehr. Ich mag Sie sehr. Alles Gute und nochmal Danke!“ Mir standen Tränen in den Augen, strahlte hier doch – sich auf der Scherbe eines menschlichen Lebens widerspiegelnd - ein Stück Himmel auf.

Spontan kam mir ins Herz: Geh zum Friseur. Ich rief an und konnte sofort kommen. Seit langem bediente mich einmal wieder der Chef des Geschäftes. Ich kenne ihn seit Jahren. Er ist gläubiger Muslim und stammt aus einem nordafrikanischen Land. Ich erzählte ihm die Erfahrung, die ich beim Tod des Vaters einer jungen Muslima hatte machen dürfen. Fern von ihrer Heimat bot ich ihr Raum, in ihrer neuen Heimat ein Totengedenken für ihren Vater zu halten. Sie sagte zur und fand im Erzählen über ihren Vater in einen tiefen Frieden. Mit größter Aufmerksamkeit hörte mein Friseur mir zu. Ich sah, dass er bewegt war. Dann sagte er zu mir: „Weißt du, in den ersten Tagen des letztjährigen Ramadan ist meine Mutter bei uns zu Hause gestorben!“ Dann begann er, mir Schritt für Schritt ihrer letzten Lebenswochen zu erzählen, wie er leider bei ihrem Tode nicht hatte dabei sein können, aber wie er schon am Abend des Tages in seinem Heimatland war und wie sie als große Familie den Abschied gefeiert hatten. Wir sprachen über Frieden im Leben, über die Ewigkeit und über das Paradies. Das Haare-Schneiden dauerte deutlich länger als gewohnt. Am Ende sagte er mir: „Boh, wie gut das getan hat, einfach alles mal erzählen zu können. Das kann ich nur mit wenigen Menschen teilen.“ – „Ja, wofür Haare nicht gut sein können“, scherzte ich. Tief erfüllt verabschiedeten wir uns.