Ich bin glücklich!
An allem hatte er etwas auszusetzen. Nörgeln schien zu seinem Habitus geworden zu sein. All seine Mitschüler reagierten genervt und gelangweilt. Ich lernte ihn kennen, bei einem kurzen Kontakt in seiner Schule. Am Ende der Stunde gingen alle Schüler zügig aus dem Klassenzimmer. Ich blieb zurück, allein mit dem jungen Mann. Ich spürte eine echte Not in seiner Seele. Ich spürte “Durst” in ihm. Nachdem auch ich heftige Kettensätze von Negativ-Äußerungen hatte ertragen müssen, schaute ich ihn an. Er blieb in seinem Strudel. Behutsam, aber klar sagte ich ihm: “Weißt Du, die Probleme, die Du nach außen anprangerst, die liegen nicht ‘draußen’, wo Du sie suchst, sondern sie liegen in Dir!” Er blieb in seinem Wortschwall. Ein zweites und drittes Mal versuchte ich ihm klar zu machen: “In Dir ist ein echtes Dunkel und aus diesem Dunkel heraus siehst Du auch draußen nur Dunkel!” Von einer Reinigungskraft wurden wir aus der Klasse geschickt. Ich ging mit ihm über den Flur. Auf einmal sagte er mir: “Ich hab doch auch niemanden, mit dem ich meine Probleme bereden kann und dort, wo ich es versucht habe, bin ich immer nur cool oder fromm abgespeist worden!”. Wir blieben dran. Ich schlug ihm vor, gemeinsame Zeit auf einem Weg mit anderen Jugendlichen zu verbringen. Erstaunt schaute er mich an. Er fühlte sich ernst genommen - vielleicht seit langem zum ersten Mal wieder. “Darüber denk ich nach! Ich meld mich morgen!” Ich gab ihm meine Email, dann verabschiedeten wir uns
Über die Tage des Messe-Geschehens hatte sich ein ehrliches und interessiertes Miteinander aufgebaut. Und dann schenkten sie mir einen ganzen Sack voll Wolle! Nicht irgendwelche Wolle, nein richtig gute! Bis zum Ende der Messe kostete jedes Paket 13 Euro das Stück und als alles vorbei war, bekam ich den Rest! Mindestens 15 Pakete!. Unglaublich! Ich war richtig gerührt! Und sie wollen noch mehr schicken, Restbestände, Ladenhüter etc.....
Ich hatte von der schweren Situation eines kleinen Kindes erzählt... Einer der Unternehmer zeigte sich tief betroffen. Sofort begann er zu erzählen, von seinem letzten Kind, dem Nesthäkchen, das sie vor 12 Jahren bekommen hatten. Seine Frau war schon über 40, als das alles geschah. Trotz viel Risiko hatten sie sich gegen einen Abbruch entschieden, obwohl er ihnen immer wieder nahe gelegt worden war. Alles war gut gegangen und heute freuten sich beide über ein kerngesundes Mädchen.
Mitten im Galopp hatte ich ihn kennen gelernt, einen Mann in mittleren Jahren. Er kam wie ich aus einem südeuropäischen Land. Mit der Sprache hatte er große Schwierigkeiten. Viele Büro-Gänge brachte ich mit ihm hinter mich, um ihm ein wenig finanzielle Unterstützung zu ermöglichen. “Ich bin so allein und meine Familie fehlt mir mehr als alles!” ließ er mich immer wieder wissen. Mir tat dieser Mann richtig leid. Auf einem Weg zur Kirche rief ich ihn an. Er entschied sich, auch zum Gottesdienst zu kommen. Das tat ihm gut. Aber auch nach dieser Erfahrung hörte er nicht auf, sich über so vieles zu beklagen. Ich machte mir Sorgen um ihn, denn hier spürte ich richtigen “Durst”. Ich wußte nicht mehr, was ich tun sollte. Ich bat Gott um eine Antwort. In meiner Pfarrei nahm ich an einem Kreuzweg teil. Im Laufe dieses Gottesdienstes wurden “Bilder der Verzweiflung“ gezeigt. Bilder von Menschen aus aller Welt. Als ich diese Bilder sah, kam mir die Antwort. Ich lud meinen Landsmann ein, mich auf dem Weg in ein Altenheim zu begleiten. Der behinderte Mann, den ich dort immer besuche, war noch nicht wach, als wir ankamen. So sprachen wir mit anderen Bewohnern des Hauses. Sie waren an den Rollstuhl gefesselt. Einige von ihnen waren nicht mehr fähig, richtig zu sprechen. Und dennoch lachte einer der Bewohner immer wieder. Dann kam der junge Mann, den ich immer besuche. Er hat keine Beine mehr, Schläuche und Urin-Beutel waren sofort sichbar - und mit all dem auch seine nicht leichte Lebens-Situation. Wir sprachen eine ganze Weile. Dann gingen wir wieder. Als wir wieder zu zweit waren, sagte mir der Mann: “Was für ein Leid, was ich da heute gesehen habe. Und wenn ich mein Leid mit dem der Bewohner dieses Hauses vergleiche, dann ist meines wirklich winzig!” In meinem Herzen spürte ich in diesem Augenblick eine tiefe Dankbarkeit!
In unserem Dorf veranstalten wir seit längerer Zeit Jugendvespern. Dazu laden wir unterschiedlichste Menschen ein, um Zeugnis von ihrem Leben zu geben. Dieses Mal hatten wir einen Diakon aus einer entfernt liegenderen Stadt gewinnen können, den Jugendgottesdienst mit uns zu feiern. In den Tagen vor der Vesper hatte ich einen jungen Mann besucht, der vor 5 Jahren durch einen Sturz fast für immer im Wachkoma geblieben wäre. Er kann nur seine Arme bewegen. Durch Handzeichen äußerte er den Wunsch, gern an der Vesper teilzunehmen zu wollen. Leider ist er am Wochenende immer in einem etwas entfernter liegenden Hospiz und es war unmöglich für ihn, zur Vesper zu kommen. “Mich dürstet!” Also bat ich den Diakon, ob er auf seinem Weg zu uns, nicht einen Zwischenstopp in dem Hospiz einlegen könne, da ihn sein Weg relativ nah an diesem Ort vorbei führte. Eben kam seine Antwort. “Na klar, ich mach’s!”