Ich bin glücklich!
Ich besuchte einen noch jungen aber schwer gehandikapten Mann im betreuten Wohnen, den ich vor eingen Wochen beim Einkaufen kennen gelernt hatte. Im Augenblick ist nicht klar, ob er in seiner Wohnung bleiben kann oder sich eine neue Bleibe suchen muss. Er würde gern bleiben. Während unseres Gespräches kam ich auf Gott zu sprechen. “Weißt Du”, sagte ich ihm, “wenn wir zu Gott beten und er es für richtig hält, dass Du hier bleiben sollst, dann wird ER helfen, dass Du bleiben kannst!” Mit großen Augen schaute er mich an. “Kennst Du ein Gebet?” fragte ich ihn weiter. Leise, fast schüchtern begann er, das ‘Vater unser’ zu beten. Er fand nicht alle Worte, so half ich ihm, aber auch mir fiel es schwer, da die deutsche Sprache nicht meine Muttersprache ist. Nach unserem Gebet lobte ich ihn und versprach, ihm das “Vater unser” beim nächsten Mal schriftlich mitzubringen. Bevor ich ging, sagte ich, dass ich ihn noch gern segnen würde. Ich sprach ein kurzes Segensgebet und er sagte spontan - ein bisschen verlegen - "Amen". Auf dem Weg nach Hause hatte ich eine große Freude in mir. Ich war echt glücklich. Zwischen dem Segen und dem Amen hatte ich den Eindruck, Gott spüren zu können.
In meine 2. Klasse sollte zu den vielen "schwierigen" Kindern noch ein Mädchen mit einer heftigen Vorgeschichte kommen. "Ausgerechnet die! Das schaffe ich nicht!", waren meine ersten Gedanken. "Du bist meine geliebte Tochter!" war das Motto im Januar. Ich wollte versuchen, für sie Spiegel zu sein, in dem sie das erfahren konnte. In meinem ersten Kontakt ging ich in die Hocke auf Augenhöhe, sprach sie freundlich an: "Ich freue mich, dass du in meine Klasse kommst. Ich habe gehört, du kannst gut lesen. Wir machen gerade "Märchen", dann kannst du uns bestimmt gut bei dem Thema helfen..." Zwei Augen guckten mich ganz erstaunt und dann freundlich an. Für meine Klasse habe ich in der Woche davor thematisiert: "Wir sind freundlich zueinander!" Was heißt das, wie zeigt sich das usw.
Die erste Woche mit der neuen Schülerin war total klasse! Ich habe versucht, ihr jeden Tag wenigstens einmal konkret zu zeigen "Du bist mein geliebtes Kind!" Es wird bestimmt auch noch Krisen geben, aber ein guter Anfang ist für uns alle schon Gold wert!
“Kannst Du mal kommen?” höre ich am Telefon. “Hier ist eine junge Frau und wir verstehen alles ihre Sprache nicht!” Ich mache mich auf den Weg und treffen auf eine zierliche, junge Frau mit einem übergroßen Rucksack. Sie kommt aus Brasilien. Sie ist bereits 4 Wochen in Deutschland und hat eine Verwandte in Berlin besucht. Nun ist sie zum Weltjugendtag nach Paderborn gekommen und will hinterher mit “ihrer Gruppe”, die auch nach Paderborn käme weiter nach Köln fahren. Diese Begegnung liegt mittlerweile acht Jahre zurück. Die Gruppe der jungen Frau ist 100 Kilometer entfernt untergebracht. So spät abends können wir sie nicht mehr dorthin bringen. Ich verstehe sofort, der Wille Gottes ist es jetzt, dieser Pilgerin zu helfen und ihr eine Bleibe zu verschaffen. Ich biete ihr an, mit einigen anderen Jugendlichen zu uns in ein Jugendhaus zu fahren. Schnell hat sie Vertrauen gefasst und kommt mit. Wir verbringen einen fröhlichen Abend mit jungen Leuten aus Brasilien, aus Bosnien, Slowenien und Deutschland. Sie bleibt noch eine Nacht und ist überglücklich! Am übernächsten Tag trifft sie “ihre Gruppe” und seit dem habe ich nichts mehr von ihr gehört.
Vor wenigen Tagen eine Botschaft auf facebook: “Hallo, kennen Sie mich noch? Ich war beim Weltjugendtag in Deutschland und in Paderborn. Dieser WJT ist für mich zu einer wunderbaren Erfahrung geworden, weil Ihr Euch so um mich gekümmert habt. Das ist immer noch in meiner Seele lebendig. Kommen Sie nach Rio mit Jugendlichen? Dann kann ich Euch allen behilflich sein!” Sprachlos und voller Freude sitze ich am PC. Acht Jahre ist es her. Es waren Augenblicke Gottes, die wir geteilt haben. Sie wirken, noch heute!
Apropos Tür! Eine junge Mutter hatte mitbekommen, dass bei einigen asylsuchenden Familien noch notwendige Dinge fehlten. Von sich aus hatte sie sich gemeldet und sowohl Möbel als auch Spielzeug angeboten. Da ich selber krank war und nicht helfen konnte, hatte sie ihre Eltern angesprochen. Wenige Tage nach dem Mailkontakt erreichte mich eine Botschaft via sms: “Hallo, es war so toll bei der syrischen Familie. Ich habe viele Dinge weitergeben können - von der Kaffeemaschine über Bettwäsche bis zum Spielzeug. Die junge Frau mit den drei Kindern aus dem Irak hat mein Vater schon besucht und kennen gelernt. Nächste Woche bringen wir Möbel und Spielzeug zu ihr. Dann fahr ich mit und lern sie auch kennen. Eine andere Familie bekommt noch einen Couchtisch. Danke für all die Türen, die mir mit so viel Liebe geöffnet worden sind!”