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Ich bin glücklich!

Liebe Freunde des Wortes,

unser Leben ist bunt wie ein Farbkasten. Es bietet uns Freude und Jubel, Trauer und Not, es bringt uns Sehnsucht und Schmerz, Hoffnung, Enttäuschung, Einsamkeit und Erfüllung. All diese Gefühle finden sich in dem Gebetsschatz des Alten Testamentes, den Psalmen, wieder. Ein Psalm ist „geronnene und verdichtete Erfahrung“, seit 3000 Jahren von Menschen ununterbrochen gesungen, gehofft, geweint, geschrien und gebetet.

Im Jahr 2017 laden wir ein, Psalmworte mit auf unseren Lebensweg zu nehmen und uns damit in eine lange Traditionskette des Betens einzureihen. Ein jedes Psalmwort ist eingebettet in einen längeren Psalm, den es lohnt, als ganzen zu lesen und zu beten.

Stell Dir ein Kind vor, das in einer großen Menschenmenge die Mutter verloren hat. Es wird sofort beginnen, nach der Mama zu rufen und sie zu suchen. So ist es auch mit unserer Seele, die wie ein kleines Kind ist. Sie ist immer auf der Suche nach dem, der sie geschaffen hat und dessen Nähe sie braucht. Unsere Seele hat Durst nach Gott. Tag für Tag muss sie Gottes „lebendiges Wasser“ (Joh 4,10) trinken. Dieses Wasser quillt in Augenblicken, in denen wir ganz da sind – für eine Aufgabe, für einen Menschen, für Gott im Gebet, für uns selbst in Zeiten der Stille und der Muße. In solchen Augenblicken scheint unsere Seele Gott zu berühren, nach dem sie sich sehnt. Sie trinkt „Wasser des Lebens“ und findet Frieden. Aber schon bald wird sie wieder Durst verspüren und sich sehnen… Ihr ergeht es wie uns Menschen mit dem Horizont. Er ist immer da, wir sehen ihn. Wenn wir auf ihn zugehen, entzieht er sich, will neu erreicht werden.

Liebe Freunde des Wortes, „ich suche Dich!“. Nehmen wir dieses Wort mit in unseren Alltag. Versuchen wir in den Augenblicken, die sich uns täglich zuspielen, GANZ da zu sein. Wenn wir so leben, werden wir den „berühren“, der uns immer nah ist und den unsere Seele sucht. Nehmen wir uns abends ein wenig Zeit, um diese erlebten Augenblicke wie Perlen zu sammeln. Unsere Seele wird es mit Frieden lohnen. Ich suche Dich! – I’m looking for you!

für das OnWordTeam
Meinolf Wacker

Liebe Freunde des Wortes,

ich höre noch ihr Schluchzen und ich sehe noch ihre verweinten Augen. Ihr Freund hatte sich unerwartet nach 5 Jahren von ihr getrennt. Was blieb, war Enttäuschung, Verwundung und Schmerz. In diesen Augenblicken schien Zukunft nicht möglich. Wochen und Monate verstrichen. Es war schwer. Nur langsam fand sie zurück in eine Normalität des Lebens. Wunden verheilten. Zukunft schien wieder offen. Dann hörte ich: Sie hat sich neu verliebt. Ich lernte ihren neuen Freund kennen. Nach einigen Monaten erzählte sie: „Ich empfinde für meinen jetzigen Freund ganz anders, als für den vorherigen, irgendwie viel tiefer. Ich glaube, das sollte alles so sein, wie es gekommen ist, auch wenn die Trennung damals so wehgetan hat!“ 

Liebe Freunde des Wortes, oft verstehen wir erst rückblickend, wie das Leben es gut mit uns meint – durch Phasen des Nebels hindurch. Solange wir im Schmerz und im Dunkel sind, können wir nur wie Blinde beten: „Wie groß sind Deine Werke, o Herr, wie tief deine Gedanken!“ Wir spüren nichts und verstehen nichts. In solchen Augenblicken gilt es, das Vertrauen in uns zu erwecken, dass ein Anderer es gut mit uns meint. Der verstehende Blick in die Tiefe göttlicher Gedanken schenkt sich häufig erst später. 

Umso wichtiger ist es, in ruhigeren Zeiten unseren Blick für die Gegenwart Gottes in unserem Leben zu schärfen. Der GROSSE will im Kleinen entdeckt werden. Der Übernatürliche berührt mich im Natürlichen. Diese göttlichen Berührungen wollen wahrgenommen werden. Dazu eine Hilfe: Fragen wir uns jeden Abend vor dem Einschlafen: „Wo und wann hast DU, Gott, mich heute berührt?“ In dem ermutigenden Wort eines Freundes, der Zeit für mich hatte – in dem unerwarteten Anruf – in dem liebenden Blick eines Menschen – in dem Vertrauen, das mir jemand geschenkt hat – in dem Blau des Himmels, das mich heute erfreut hat – in dem kleinen Vogel, der vor meinem Fenster gespielt hat…  Staunen wir über diese kleinen Augenblicke und sagen wir dem Himmel – wie ein Kind: DANKE. Tun wir es den Kindern gleich, den Weltmeistern der Entdeckungen und lernen wir neu zu staunen und zu danken: Ich staune! – I’m touched!  

für das OnWordTeam
Meinolf Wacker

Liebe Freunde des Wortes,

sie lebten am Rande von Sarajevo, eine alte Frau, fast blind, mit ihrer behinderten Tochter und ihrer Enkelin, die ebenfalls krank war. Sie waren abgeschnitten vom Kreislauf des Lebens. Ihr Leben war ein Überleben. Wir hatten von ihnen gehört. Eine junge Frau, selber vom Leben gezeichnet, hatte uns eine große Box mit Lebensmitteln geschenkt. Die nahmen wir und brachten sie der armen Familie. Unter Tränen wurden wir aufgenommen und mit dem letzten Kaffee, der noch da war, beschenkt. Am Ende der Begegnung erhob sich die alte Frau, so gut sie konnte, von ihrem Sofa, nahm den Kopf meiner Nichte, die mich begleitete, in ihre Hände und küsste ihre Stirn. Dann sagte sie: „Wie schön, dass Ihr an uns gedacht habt und uns besucht habt!“ Als wir gingen, hatten wir Tränen in den Augen.

Liebe Freunde des Wortes, so wie wir an diese Armen gedacht haben, so denkt Gott immer an uns. Er schaut auf uns. Er ist mit uns! Aus dieser Erfahrung, die viele Menschen gemacht haben, ist das Psalmwort dieses Monats gespeist: „Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“ Gott denkt immer an uns. Er denkt an mich! Er ist mir nahe, ganz besonders wenn es mir schlecht geht und ich mich verloren fühle. Aber diese Erfahrung, einmal gemacht, will immer neu erinnert werden! Nur so trägt sie mich, gibt mir Nahrung für meine Seele und hilft mir zum Leben.

Ein Vorschlag für den neuen Monat: Halte jeden Morgen einen kurzen Augenblick inne und stell dich unter den „Blick Gottes“. Mach dir klar, dass Gott voller Liebe auf dich schaut und nur das Beste für dich will. Unter diesem Blick wird Freude in deiner Seele hervor quellen, wie bei einem Baby, wenn es das Gesicht der Mutter über sich erblickt.

Geh dann mit dieser Freude in den Tag und schenk jedem, der dir begegnet, diesen Blick der Liebe. So werden immer mehr Menschen entdecken: Du siehst mich an! You look at me! Und sie werden glücklich sein.

für das OnWordTeam
Meinolf Wacker

Liebe Freunde des Wortes, 

seine Mutter starb an einem Schlangenbiss, als er 4 Jahre alt war. Sein Vater wurde von einem Nachbarstamm umgebracht, als er 18 Jahre alt war. Er musste fliehen, zunächst in ein Nachbarland, dann durch die Wüste nach Nordafrika. Viele seiner Freunde starben auf dieser Reise in unerbittlicher Hitze. Er kam für mehrere Monate in ein Gefängnis, weil er fremd war. Man verlangte Geld von ihm, was er nicht hatte. Ein Kollege kaufte ihn frei. Er wurde von randalierenden und rechtlosen boys aufgrund seiner Religion unter Druck gesetzt und malträtiert. Wieder musste er fliehen. Seit über zwei Jahren war er unterwegs, als er in ein kleines völlig überladenes Schlauchboot mit 145 Flüchtlingen stieg. Auf dem Meer fiel der Motor aus, die Flüchtlinge verloren die Orientierung. Er erzählte: „Es war schrecklich. Wir hatten auf dem Boot überhaupt keinen Platz. Alle weinten. Das Boot füllte sich mit Wasser in dieser Wüste des Meeres. Kein Schiff zu sehen. Es waren die schrecklichsten Stunden meines Lebens. Ich sah den Tod! Mit Tränen in den Augen habe ich gebetet. ‚Jesus, wenn ich jetzt sterben soll, dann bin ich bereit. Aber wenn du mir helfen kannst, bitte rette uns!‘“ – Am Horizont tauchte ein Schiff der italienischen Küstenwache auf. Die Besatzung hatte das Flüchtlingsboot entdeckt. „Sie haben uns nach Sizilien gebracht, wo ich am 20. September 2015 an Land gegangen und medizinisch behandelt worden bin. Jetzt bin ich hier bei Euch und darf wieder nicht bleiben!“ - „Herr verlass mich nicht, bleib nicht fern, mein Gott!“

Liebe Freunde des Wortes, es gibt Momente in unserem Leben, wo wir nichts mehr haben, was uns trägt und weiter hoffen lässt. Nichts geht mehr! Alles scheint aussichtlos. Es besteht die Gefahr, dass wir ganz in uns versinken, stumm werden, resignieren und aufgeben. Unser Blick, der lange in die Weite gegangen war und uns Orientierung ermöglicht hatte, wird kurzsichtig und geht verloren. Du siehst keinen Weg mehr für Dich!  

In solchen Augenblicken hilft das Psalmwort „Herr, verlass mich nicht, bleib nicht fern, mein Gott!“, nicht stumm zu werden, sondern unsere Not heraus zu schreien und zu weinen. In solchen Zeiten, die schnell über uns alle hereinbrechen können durch Krankheiten und Unfälle, durch menschliche Verluste und Schock-Erfahrungen, tut es gut, dieses Wort in unserem Erinnerungsschatz zu haben. Wiederholen wir es immer wieder: „Herr verlass mich nicht, bleib nicht fern, mein Gott!“  Oder kurz: Komm und hilf mir! – Come and help me!

für das OnWordTeam
Meinolf Wacker