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Monatsimpuls - 03/2026

Tu, was jetzt zu tun ist!

Was hilft dir, mit offenem Herzen in diesem Augenblick zu leben?

Sie war auf der Zielgeraden zum Abitur angekommen. Was sie danach machen wollte: „Keine Ahnung!“ Aber irgendeine Entscheidung musste ja her. Sie nahm sich Zeit, überlegte, wohin ihr Weg gehen könnte. Auf keinen Fall Lehrerin, denn das waren alle in ihrer Familie. Aber dann kam die Frage: „Warum eigentlich nicht?“ Sie wollte doch immer Menschen dabei unterstützen, ihren eigenen Weg gehen zu lernen und gerade diejenigen, die es schwerer hatten als andere.

Sie führte viele Gespräche, fragte nach Einschätzungen und hielt es aus, dass es immer noch nicht klarer wurde. Im Gespräch mit ihrer besten Freundin kam unerwartet die Frage: „Hast du schon mal an Förderlehrerin gedacht?“ Sie wusste gar nicht genau, worum es da ging. Als sie wieder zu Hause war, recherchierte sie über eine Stunde im Internet. Und auf einmal war da ein Gleichklang zwischen dem, was sie über das Berufsprofil las und was sie gern in ihrem Leben machen wollte. Sie lief zu ihrer Familie und ließ sie wissen: „Ich hab’s, ich weiß jetzt, was ich machen werde!“

Auch Petrus hat eine ähnliche Erfahrung gemacht. Mit seinen Fischerkollegen hat er die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen. Als Jesus ihn am nächsten Morgen bittet, die Netze nochmals auszuwerfen, tut Petrus, was Jesus ihm aufträgt, und fängt eine riesige Menge an Fischen.

So sind wir in diesem Monat eingeladen, das zu tun, was jeweils dran ist. Oft gibt dir das Leben dann etwas, womit du nicht gerechnet hast. Also: Tu, was jetzt zu tun ist.

Auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen!  (Lk 5,5b)

 

Monatswort Übersetzungen

Erfahrungen des Monats

Seit gut einem Jahrzehnt war er mit seiner Frau in unserem Land. Zu Anfang hatte ich den beiden sehr helfen können. Mittlerweile waren sie gut integriert und lebten vorbildlich mit ihren kleinen Kindern. Aber nicht alle wollten ihnen gut. So hatten sie immer wieder Böswilligkeiten auszuhalten, gegen die sie sich zum Teil anwaltlich wehren mussten. So erreichte mich die Frage, ob ich ein wenig Zeit habe. Zwei Stunden später saßen wir zusammen. Bei einem Tee hörte ich lange zu und konnte Mut machen. Abends erreichte mich eine Botschaft: „Ich bin dir sehr dankbar für die schöne Zeit und den leckeren Tee. Immer,  wenn wir uns sehen, atmet meine Seele auf. Ich spüre das körperlich und psychisch. Ich bin Gott dankbar für alles, was ich habe. Gute Freunde, meine Familie und die schönen Momente mit Menschen, die wirklich lieben. Danke, dass du bei jedem Gebet an uns denkst. Das schenkt mir viel Kraft, gerade in diesen harten Zeiten. Ich bin mir sehr sicher, dass Gott uns auch jetzt behütet und weiter bringt.“

Der Schmerz über den tödlichen Unfall ihres Ältesten lastete noch schwer auf ihr. Auch das Zuckerfest am Ende des Ramadan, auf das sie sich immer so gefreut hatte, waren dunkle Stunden für sie. Dann hatten sie die Freunde ihres verstorbenen Kindes besucht. Es waren alles liebevolle Gesten. Doch für sie als Mutter schmerzte die Wunde, das ihr Sohn nie mehr nach Hause kommen würde, um so mehr. Ich saß bei ihr mit einem weiteren Freund aus Syrien. Die Wucht der Verzweiflung, die wir erlebten, hatte ich so nicht erwartet. Ich blieb lange und hielt alles mit aus. Als ich ging, sagte sie mir: „Viele Menschen haben große Worte gemacht und kommen nicht mehr. Ich bin viel allein und irgendwie will ich es auch, denn ich traue mich kaum noch nach draußen. Aber du vergisst mich nicht. Du kommst einfach und bist dann einfach da! Obwohl wir doch aus verschiedenen Religionen sind. Weißt du, was ich verstanden habe? Letztlich, wenn’s schwer wird, zählt nur, ob jemand da ist.

Ein langer Tag mit einem gelungen Workshop und einer vielfältigen Länderpräsentation ging zu Ende. Ich spürte nach einem weiten Weg eine echte Müdigkeit in mir und wollte mich schlafen legen, da der nächste Tag wieder viele Straßenkilometer mit sich bringen würde. Doch mein Herz gab mir den leisen Impuls: „Geh nochmals für ein paar Begegnungen zu den Freiwilligen aus aller Welt!“ So setzte ich mich zu ihnen. Ich spürte ihre Freude über mein Kommen. Ein langes Gespräch über unser Mensch-Sein und über Gott entwickelte sich. Als die meisten schon Schlafen gegangen waren, begann eine junge Freiwillige ihre ganze Not ins Wort zu bringen. Sie stand vor einer Entscheidung und wusste nicht, wie sie sich entscheiden sollte. Lange sprachen wir. Von allen Seiten beleuchteten wir die Frage.  Am Ende fragte ich sie, ob sie einen Draht zu Gott habe. Er war ihr verloren gegangen. Aber unser ehrliches Miteinander ließ sie am Ende sagen: „Weißt du, ich habe Gott aus den Augen verloren, aber heute Abend ist mir in unserem Gespräch etwas aufgeleuchtet, was mir als Kind sehr wichtig war. Ich werde wieder neu beginnen, zu beten.“

Frieden – dieses kostbare Gut, wie können wir Jugendlichen Wege eröffnen, um selber zu Friedensstifter*innen zu werden? – Mit dieser Frage saßen wir in einem kleinen Team einer Gesamtschule zusammen. Alle 1500 Schüler*innen würden einen kleinen Friedensmahner aus Holz bekommen, aber an welchen konkreten Schritt könnte sie diese kleine Holzstehle immer neu erinnern. Ich erzählte, dass ich Menschen immer wieder verspräche, in schweren und herausfordernden Lebenssituationen an sie zu denken und für sie zu beten. „Ich gebe diesen Menschen dann konkret einen Platz in meinem Herzen und begleite und trage sie dort mit. Oft, wenn ich abends noch in unserer Kirche für sie gebetet habe, stecke ich eine Kerze für sie an und schicke ihnen ein Foto davon. Ich spüre, dass ich in Frieden mit ihnen bin, wenn sie in meinem Herzen sind.“ Ganz aufmerksam hörte eine muslimische junge Sozialarbeiterin zu. „Ich bin ganz gerührt“, ließ sie mich wissen, „diesen Weg, anderen in meinem Herzen einen Ort anzubieten, habe ich noch nie bedacht. Aber ich freue mich, dass jetzt mal ausprobieren zu können. Wenn wir uns das nächste Mal sehen, erzähle ich dir von meinen Erfahrungen.“

Nach längerer Zeit war mir der Impuls gekommen, mich bei einer muslimischen Lehrerin mal wieder zu melden. Sie schrieb mir zurück: „Gestern Abend musste ich wieder an dich denken und habe gehofft, dass du mir bald schreibst, weil ich ein neues Handy habe und einige Nummern abhanden gekommen sind wie deine. So schön, dann heute von dir zu lesen.“ Und dann erzählte sie vom vortägigen Fastenbrechen, zu dem viele Menschen gekommen waren und zu dem sie ein besonderes Gebet geschrieben hatte. Darin hieß es u.a.: „In der jüdischen Tradition beten wir: „Gewähre Frieden, Güte und Segen, Gnade, Barmherzigkeit und Erbarmen über uns und über alle Welt.“ Gott des Bundes, breite deinen Schalom aus – nicht als flüchtigen Waffenstillstand, sondern als heilendes Ganz-Sein, als Versöhnung, die Brücken baut, über die Schluchten der Geschichte.- Im christlichen Zeugnis hören wir die Worte Jesu: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht.“ Schenke uns diesen Frieden, der tiefer reicht als Verträge und Grenzen, der Angst verwandelt in Vertrauen und Feindschaft in die Kraft, neu zu beginnen. - Und im Koran heißt es: „Wer einen Menschen rettet, so ist es, als habe er die ganze Menschheit gerettet.“ Du Gott, der Barmherzige, erinnere uns daran, dass jedes Leben heilig ist und dass kein Blutvergießen deinen Namen ehrt. – Reich beschenkt schrieb ich ihr ein von Herzen kommendes Danke!

Die Spritpreise waren sehr gestiegen. Abends sah ich, dass ich 4 Cent pro Liter sparen konnte und fuhr an eine Tankstelle, wo ich sonst nur selten tanke. Als ich zur Kasse ging, bediente mich eine jüngere Muslima. Sie trug ein Kopftuch. Sie strahlte mich an und sagte: „Ihr Gesicht kommt mir bekannt vor!“ – „Dann machen wir jetzt eine Ratestunde!“ scherzte ich. Dann fragte sie mich, ob ich nicht an der Hauptschule Jahr für Jahr die Schuhkarton-Aktion für Waisenkinder in Bosnien veranstaltet habe. Voller Freude bejahte ich. „Ich fand das damals schon so cool, dass Sie sich einfach für andere Menschen verschenken. Mich hat das sehr beeindruckt. Bitte, machen Sie weiter so. Unsere Zeit braucht solche Menschen!“ Berührt und meinerseits beeindruckt verabschiedete ich mich und sagte: „Wie schön, dass Sie Positives erinnern und erzählen und damit stark machen. So schreiben wir gemeinsam Geschichte!“

Viel Schweres hatten wir miteinander geteilt. Ein Jugendlicher, der lange auf seiner Schule gelernt hatte, war an einer Frontlinie in der Ukraine gefallen. Ein großer Schmerz erfüllte sein Herz. In meiner abendlichen Anbetungszeit hatte ich immer wieder für den jungen Mann, seine Familie und seinen Lehrer gebetet. Und dann erreichte mich im Galopp des Tages eine positive Botschaft: „Euer Projekt navi4life für junge Leute ist wirklich wunderbar. Stell dir vor, eine Schülerin, die letztes Jahr dabei war, hat es nun geschafft, im Lehramtsstipendium Ruhr einen Platz zu ergattern. Und: navi4life war ihr mindchanger. Ist das nicht eine tolle Nachricht?“

Sie arbeitete als Praktikantin in unserer Lerngruppe, war gebürtig aus Syrien und hatte vor über zehn Jahren aus ihrer Heimat fliehen müssen. Ich fragte sie vorsichtig, ob sie bereit wäre, den Jugendlichen davon zu erzählen. Sie bejahte und erzählte von ihrer langen Flucht durch Wüsten, über Wasser - immer in der Nacht. Sehr bewegt stellte sie dar, wie alle Menschen eines Bootes, das vor dem ihren unterwegs war, ertrunken waren ... Später dann ließ sie mich wissen, dass sie am Tag vor der Präsentation zu Hause geweint hatte. Sie hatte Angst, von all dem zu erzählen, hatte sich dann aber doch überwunden und gedacht hat: „Tu’s für die Kinder und für eine bessere Welt!“ - Nach ihrer Erzählung sagte eine Schülerin: „Das werde ich nie vergessen.“ Ein anderer bemerkte leise: „Ich bin nur noch Gänsehaut.“ Mir fiel das Motto des Tages ein: „Tu, was jetzt zu tun ist.“ Wir schenkten ihr einen Blumenstrauß. Sie sagte uns mit Tränen in ihren Augen: „Ihr seid meine zweite Familie.“

!

Noch schnell zum Briefkasten, denn ich hatte von einer älteren Frau gehört, die sich auf ihre letzte Lebensetappe machte und so hatte ich ihr noch einen Kartengruß geschrieben, der sie noch erreichen sollte. Auf dem Weg traf ich einen Obdachlosen. Er war vor über 10 Jahren aus dem Iran gekommen. Ich hatte ihn und hatte ihn lange nicht gesehen. Ich grüßte ihn kurz. Er sprach mich an, so blieb ich stehen. „Wie geht es dir?“ fragte er mich. Ich schaute ihn an und erwiderte: „Ich bin zufrieden!“ Seine Antwort: „Oh, das hört man selten. Zufrieden sein, im Frieden mit sich sein, das ist das größte Geschenk, denn das kann man mit Geld und mit nichts auf der Welt kaufen. Was für eine Aussage: Im Frieden sein!“ Dann lächelte er mich an, wünschte mir noch einen schönen Abend und sagte: „Ach könnte doch auch ich so im Frieden mit mir sein.“

Seit dem tragischen Tod eines Teenies, der mit seinem Fahrrad unter einen Bus gekommen war, hatten sich die Verantwortlichen des Unternehmens noch nicht bei der Mutter des verstorbenen Jungen gemeldet, die als Flüchtling in unser Land gekommen war. Nun lebet sie allein mit ihren verbliebenen Kindern. Unter dem Schweigen litt die junge Mutter sehr. So hatte ich beide Seiten zu einem Gespräch zu mir eingeladen, denn ich spürte, wie nötig es war, im geschützten Raum zu reden und einander – in allem Schmerz – ehrlich zu begegnen. In einer anfänglichen Atmosphäre großer Sprachlosigkeit konnte ich – über Religionsgrenzen hinweg Brücken bauen. Lange sprachen wir miteinander. Am nächsten Tag erreichte mich die Botschaft der Mutter: „Vielen lieben Dank! Du hast mir und meinem Herzen ehrlich sehr geholfen!“ Darunter zwei verwundete Herzen.

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