Zum Hauptinhalt springen
Monatsimpuls - 06/2026

Du bist einmalig!

In welchem Augenblick hast du dich schon mal vom Leben umarmt gefühlt?

Du bist einmalig!

Mit einigen Freunden hatte ich mich auf den Weg in die Berge gemacht. Wir waren junge Studenten und wollten gern eine Nacht in Zelten in den Bergen verbringen. So stiegen wir am Nachmittag auf und schlugen unsere Zelte in einer Steinwüste auf. Nachts wurde es bitterkalt. An Schlafen war für mich nicht zu denken. So schlich ich mich mit meinem Schlafsack aus dem Zelt und legte mich auf einen großen Stein. Es war dunkel und doch schien alles erleuchtet.  Über mir tat sich der unendliche Sternenhimmel auf – klar und hell. So viele Sterne in so einer Deutlichkeit hatte ich noch nie gesehen. Sie schienen zum Greifen nah.

Plötzlich überkam mich ein tiefes Gefühl des Geborgen-Seins. Ich spürte mein Leben, meinen Atem, mein Dasein. Ich hatte den Eindruck: Du bist nicht allein. Ich fühlte mich von einem tiefen Urgrund getragen, ja geliebt. Ich spürte, es ist gut, dass du bist, es ist gut, dass du da bist und es ist gut, so wie du bist. Mir liefen Tränen der Rührung. Ich fühlte mich vom Leben angeschaut, von Gott umarmt. Eine echte Seinserfahrung.

Der Zöllner Zachäus, der von seinen Zeitgenossen aufgrund seines Berufes verachtet wurde, hatte von Jesus gehört. Ihn wollte er gerne sehen. Da Zachäus klein an Gestalt war, stieg er auf einen Baum. Und dann sah er, wie Jesus zu ihm liebevoll hinaufschaute. Dieser Blick traf ihn. Er hörte seinen Namen: „Zachäus!“ Zum ersten Mal nahm er sich in seiner Einmaligkeit wahr. Und dann hörte er den unerwarteten Wunsch Jesu: „Ich will heute bei dir einkehren.“ Das lockte Zachäus aus seiner Reserve und er begann sich zu verschenken. Welche Kräfte und Dynamiken werden doch in uns freigesetzt, wenn wir entdecken dürfen: Du bist einmalig!


° In welchem Augenblick hast du dich vom Leben umarmt gefühlt?

Jesus schaute hinauf. (vgl. Lk 19,5)

Monatswort Übersetzungen

Erfahrungen des Monats

Dankbaren Herzens hatten wir in einem schlichten und doch feierlichen Gottesdienst auf 40 Jahre Priestertum zurückschauen können. Menschen unterschiedlichster Couleur waren gekommen, Glaubende und Nicht-Glaubende. Es wurde ein Fest, an dem eine unsichtbare Gegenwart viele Herzen berührte und beim anschließenden Imbiss in Begegnung brachte. Zwei Verantwortungsträger aus dem schulischen Bereich waren gekommen. Am folgenden Tag traf ich den einen in seiner Schule. Im Trubel des Schulalltags standen wir eine knappe Minute auf einem der Flure zusammen. Unsere Augen begegneten sich. „Danke, dass du gestern mit dabei warst“, ließ ich mein Gegenüber noch einmal verstehen. „Das hat mir viel bedeutet!“ Ein paar Augenblicke inneren Schweigens folgten und dann durfte ich hören: „Der Tag gestern war ein total bewegender und bedeutsamer Tag für mich. Sehr, sehr bedeutsam. Ich habe Kirche erlebt, wie Christus sie vorgelebt hat, weltoffen - barmherzig - ⁠fürsorglich - ⁠ehrlich - ⁠zugewandt.“ Dann gingen wir auseinander.

Wir hatten uns mit navi4life auf den Weg in den Kanton Aargau in der Schweiz gemacht und dort mit 8 Mitarbeitenden aus der Jugendarbeit einen sehr intensiven Workshop erleben dürfen. Firm4life war unser Thema, jungen Leuten als Kirche zu helfen, stark für ihr eigenes Leben zu werden. Eine große Offenheit hatten wir spüren dürfen und am Ende der gemeinsamen Zeit eine sehr hoffnungsvolle Stille. In der Frühe des nächsten Tages machten wir uns wieder auf den Heimweg. Abends durften wir in einer Voice-Mail hören: „Das Team, hat sich heute morgen gleich hingesetzt, das Übergangsjahr völlig neu aufgestellt und auch für die Firmung neue Module eingearbeitet. Ich habe sie stundenlang in unserem Sitzungszimmer gesehen mit euren Büchern und der firm4life-Mappe; sie waren am werken und haben neue Flyer gestaltet. Also euer Kommen und der so lebendige Workshop haben wirklich extrem etwas ausgelöst. Vielen Dank, dass ihr eigens so weit gekommen seid!“

Ich war an einer weiterführenden Schule unterwegs. Bis zu einem vereinbarten Gespräch mit einigen Lehrern blieb noch ein wenig Zeit. Ich setzte mich ins Schüler-Café. An einem Tisch saß eine junge Frau aus Nigeria. Wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte von mir, wie ich als 18-Jähriger auf der Suche nach meinem Lebensweg gewesen war und was mir geholfen hatte, Klarheit zu finden und aufzubrechen. Die junge Frau fasste schnell Vertrauen und ließ mich wissen, wie sehr sie Angst hatte vor dem Augenblick, wo die Schule vorbei war und sie ihr Abi in den Händen halten würde. „Ich hab noch keinen blassen Schimmer, was ich dann machen werde!“ Über eine halbe Stunde sprachen wir miteinander. Abends schrieb ich dem Sozialarbeiter der Schule, er solle die Abiturientin grüßen und sie wissen lassen, dass meine Gebete sie begleiteten. Wenig später kam die Antwort. „Marie sagte: Euer Gespräch gestern hat ihren Tag gerettet. Sie freut sich sehr über deine Gebete und betet ihrerseits für dich!“

Eher zufällig trafen wir uns nach einem Gottesdienst. Sie waren ein Paar. Aufmerksam hatte die Frau meiner Predigt zugehört. Sie fragte nach meiner Arbeit. Ich begann zu erzählen, dass ich mich dafür einsetze, junge Menschen firm für ihr Leben werden zu lassen – und das auch in Brennpunkt-Schulen. Sie sollten eine Chance bekommen, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. Ich erzählte von einer Klasse, in der ich mit 95 % muslimischen Jugendlichen gearbeitet hatte. Die Frau ließ mich verstehen, dass sie auch Muslima war. „Ich war bei der Predigt, als du von Gott gesprochen hast, so tief berührt. Mein Herz wurde ganz warm!“ Dann schwieg sie, schaute mich mit großen Augen an. Augenblicke der Stille folgten. „Es hat so gut getan“, durfte ich noch hören, dann gingen die beiden. Ein Wort von Isaac dem Syrer kam mir in den Sinn: „Es gibt nur eine Sünde, kein Gespür für den Auferstandenen zu haben!“

Ungeplant musste eine Mathearbeit nachgeholt werden und so galt es, die geplante navi4life Veranstaltung an einer großen Gesamtschule in ein neues Design zu bringen. Und plötzlich war in diesem so eng getakteten System Schule auf einmal Zeit. Ich hatte noch Kuchen mitgebracht. Wir saßen in einer kleinen Gruppe von Lehrern und Lehrerinnen zusammen. Zusehend wuchs Vertrauen. „Das Leben hat dich ja wirklich an die Enden der Erde gebracht. Gab’s da einen besonderen Augenblick, den du nie wieder vergessen wirst?“ wurde ich gefragt. Ich erzählte von zwei Monaten, die ich in einem Bunker in Sarajevo nach dem Krieg auf dem Balkan verbracht hatte, um den Jugendlichen der Stadt nahe zu kommen. Und ich erzählte von einer Nacht, in der ich in ein tiefes Loch fiel und alles, was ich da tat, in Zweifel zog. Es war schwer und tränenreich. Und ich erzählte, dass ich im Rückblick durch diese Erfahrung das Geheimnis des Weizenkornes verstanden hätte. „Ich hab nichts mehr gespürt, nur Kälte, Nässe und Dunkelheit. Kein Licht mehr. Keine Perspektive … Und heute steht an dieser Stelle das große Jugendzentrum Johannes Paul II. mitten im Herzen von Sarajevo.“ Als ich dann in die Augen des Fragenden schaute, spürte ich seine tiefe Dankbarkeit für dieses geteilte Leben.

Zu späteren Jahren hatten sie sich entschieden, ihren gemeinsamen Lebensweg unter den Segen Gottes zu stellen und kirchlich zu heiraten. Aus ihrem Freundeskreis hatten sie eine stattliche Zahl sehr talentierter Musiker eingeladen. Beim Blick in die Kirche spürte ich, dass viele mit Gott und Kirche wenig Berührung zu haben schienen. Mir war es ein Anliegen, so gut es ging, alle unter dem Horizont der Feier ankommen zu lassen. So thematisierte ich kurz die Buntheit und Unterschiedlichkeit unserer Lebensüberzeugungen und bot allen als Namen Gottes „die große Gegenwart“ an, hatte sich Gott doch dem Mose als der „Ich-bin-da!“ geoffenbart. Plötzlich war eine aufnahmebereite stille Atmosphäre zu spüren. Die Trauung mit wunderbaren musikalischen Darbietungen wurde zu einem echten Fest der Herzen. Nach der Liturgie kam ich mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch: „Unsere Herzen sind so sehr angerührt“, ließen sie mich wissen, „denn als Sie von der ‚großen Gegenwart‘ sprachen, waren wir alle mit drin in diesem Geheimnis.  Wir haben Nähe gespürt. Wir sind so dankbar.“

Entdecke auch die anderen Monatsimpulse

Monatsimpuls - 12/2025
Monatsimpuls - 11/2025
Monatsimpuls - 10/2025
Monatsimpuls - 09/2025
Monatsimpuls - 08/2025
kletternde Frau
Monatsimpuls - 07/2025
Monatsimpuls - 06/2025
Monatsimpuls - 05/2025
Monatsimpuls - 04/2025
Monatsimpuls - 03/2025
Monatsimpuls - 02/2025
Monatsimpuls - 01/2025
Monatsimpuls - 12/2024
Monatsimpuls - 11/2024
Monatsimpuls - 10/2024
Monatsimpuls - 09/2024
Monatsimpuls - 08/2024
Monatsimpuls - 07/2024
Monatsimpuls - 06/2024
Monatsimpuls - 05/2024
Monatsimpuls - 04/2024
Monatsimpuls - 03/2024
Monatsimpuls - 02/2024
Monatsimpuls - 01/2024
Monatsimpuls - 12/2023
Monatsimpuls - 11/2023
Monatsimpuls - 10/2023
Monatsimpuls - 09/2023
Monatsimpuls - 08/2023
Monatsimpuls - 07/2023
Monatsimpuls - 06/2023
Monatsimpuls - 05/2023
Monatsimpuls - 04/2023
Monatsimpuls - 03/2023
Monatsimpuls - 02/2023
Monatsimpuls - 01/2023
Monatsimpuls - 12/2022
Monatsimpuls - 11/2022
Monatsimpuls - 10/2022
Monatsimpuls - 09/2022
Monatsimpuls - 08/2022
Monatsimpuls - 07/2022
Monatsimpuls - 06/2022
Monatsimpuls - 05/2022
Monatsimpuls - 04/2022
Monatsimpuls - 03/2022
Monatsimpuls - 02/2022
Monatsimpuls - 01/2022
Oktober 2021