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Monatsimpuls - 08/2026

Ich hab Talent!

Welche Fähigkeiten hast du, um sie einzusetzen?

Als junge Mutter mit zwei kleinen Kindern war sie mit ihrem Mann unterwegs. Sie arbeitete als Theologin an der Uni. In ihrer Gemeinde engagierte sie sich in vielfältiger Weise. Mit einigen Mitstreiter*innen hatte sie ein Gottesdienstformat entwickelt, das sie „Zeitfenster-Gottesdienst“ getauft hatten. Rund um die dunklen Tage des Novembers war ihr ein besonderes Erlebnis geschenkt worden. Sie hatte in einem Gottesdienst begonnen, sehr persönlich von ihren Verstorbenen zu erzählen und hatte sie dann alle einzeln beim Namen genannt und für sie eine Kerze angezündet. Der Einladung an die Anwesenden, das Gleiche für die eigenen Verstorbenen zu tun, waren viele – zum Teil unter Tränen -  gefolgt. Es waren bewegende Augenblicke.  Was blieb, war eine große Nähe zueinander und zu den Verstorbenen. Alle waren irgendwie da, waren „im Raum“ – zutiefst miteinander verbunden.

Von dieser Erfahrung hatte sie mir in einer Voicemail bescheiden und zurückhaltend erzählt. Ich spürte, wie sie ihr persönliches Talent für viele eingesetzt hatte und wie dadurch ein Raum entstanden war, in den hinein sich Gott schenken konnte. In der Gleichnis-Rede Jesu von den Talenten vertraut ein reicher Mann seinen Dienern Talente an, damit sie damit arbeiten. Bei seiner Rückkehr belohnt er die Diener, die ihre Talente mit Kreativität und Energie eingesetzt hatten.

Jedem und jeder von uns sind vielfältige Talente mit in die Wiege gelegt worden. Sie sind uns anvertraut, sie zu entwickeln und für ein lebendiges Miteinander einzusetzen. Dieser Monat lädt uns ein, unseren Träumen und Talenten (neu) eine Chance zu geben. Denn es gilt: Ich hab Talent!


° Welche Fähigkeiten hast du, um sie einzusetzen?

Dem einen gab er fünf Talente, einem anderen zwei, wieder einem anderen eins.
(vgl. Mt 25,14)

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Erfahrungen des Monats

Das Leben hatte uns zusammen geführt und vom ersten Augenblick unseres Gespräches war ein tiefes Vertrauen da. Er hatte sich schon in jungen Jahren in vielen Verstrickungen wieder gefunden; Abhängigkeiten hatten ihm das Leben schwer gemacht. Auch mit dem Gericht war er in Berührung gekommen und hatte lange Jahre in großer Unsicherheit leben müssen. Jetzt wollte er diese Lebensweise hinter sich lassen. In einem besonders dunklen Augenblick hatte er verstanden, entweder du bist jetzt auf dem Pfad des Todes und kommst aus allem nicht mehr heraus – der Tod klopft wirklich an bei dir - oder du wendest dich an Gott. So war ihm in tiefster Not das Gebet: „Jesus, gib mir eine zweite Chance“ über die Lippen gekommen. Er hatte es mit der ganzen Wucht seiner Existenz gebetet. Er hatte gespürt, dass er nicht allein war, sondern dass Gott ihn erhörte. Diese Erfahrung hatte neue Kräfte und neue Perspektiven in ihm frei gesetzt, die er nicht für möglich gehalten hatte. Sein Vertrauen hatte das Herz Gottes angerührt und bewegt.

In einem Gespräch durfte ich hören: „ Im Urlaub auf einer kleinen Insel hatte ich mich sehr auf den Vorabendgottesdienst am Samstag gefreut. Ich war schon früh in der Kirche, langsam wurde mir klar, es würde den Gottesdienst nicht geben. Eine Familie mit zwei halbwüchsigen Kindern kam ebenfalls in die Kirche. Sie fragten, ob wir ein Lied singen sollten, als auch sie merkten, dass kein Gottesdienst sein würde. Gern willigte ich ein. Dann bot ich an, die Tagestexte aus einer App zu lesen, was wiederum diese Familie gerne annahm. Weitere Menschen kamen. Auch sie luden wir ein, ihr Lieblingslied zu sagen, so dass wir’s gemeinsam singen konnten. Nach dem Evangelium tauschten wir uns über die Texte aus. Auch Fürbitten kamen uns aus dem Herzen und am Ende gab’s noch einen Segen. Es war eine tiefe Freude in uns, über diese spontane, Stück für Stück gewachsene  gemeinsam gefeierte Andacht. Wir hatten am Ende das Gefühl, dass wir alle nicht ‚hungrig‘ nach Hause gegangen sind, vielmehr hatte uns Gott genährt - mit Seinem Wort, im Gebet, in der Gemeinschaft miteinander , in der ER spürbar unter uns war. Es war ein Geschenk und neu die Erfahrung: Gott sorgt für uns. Lange noch standen wir miteinander in der Kirche und in den letzten Tagen erreichte mich sogar noch eine Mail der Familie, die zuerst angekommen war. Sie wollten nur noch einmal DANKE sagen.

Immer neue Gesichter erschienen an unserem navi4life-Audio-Parcours während der neu Libori-Tage. Einige näherten sich entschieden und mutig unserem Stand, andere Jugendliche blieben scheu in einiger Entfernung stehen. Mein Blick fiel auf eine Mutter asiatischen Aussehens und ihre beiden Töchter. Behutsam sprach ich sie an. Die beiden Mädchen interessierten sich sehr für den Parcours und wollten ihn gern mit Kopfhörer durchlaufen. Während sie das taten, sah ich, wie es der Mutter aufgrund der hohen Temperaturen immer schlechter ging. Ich bot ihr unseren Sessel an und begleitete sie in wohltuenden Schatten. Die beiden Mädchen freuten sich, dass sie in dieser für sie schwierigen Situation nicht allein waren. Schnell war noch ein erfrischendes Kaltgetränk geholt. Als die Frau wieder zu Kräften kam, kaufte sie für ihre beiden Töchter das Logbuch „Mein Leben – windschief und glänzend“. Die beiden Mädchen zeigten sich richtig glücklich über dieses Geschenk. Als sie sich dann verabschiedeten, spürte ich, wie die Jüngere ihren ganzen Mut zusammennahm und mich fragte, ob ich auch bereit wäre, an ihre Gesamtschule zu kommen und navi4life vorzustellen? Als ich bejahte, sah ich ein tiefes Strahlen in den Augen des Mädchens: „Wie schön, dann sehen wir uns bald wieder, ich melde mich auf jeden Fall!“

Nach einem anstrengenden Tag war ich gerade dabei, die Kirche abzuschließen. Während ich die letzten Besucher verabschiedete, standen auf einmal zwei Teenies mit einer Dönertasche vor mir. „Dürfen wir auch mal rein?“ fragte der Ältere. „Natürlich wenn wir aufgegessen haben.“ fügte er hinzu. Mir kam das Tagesmotto: „Wie kann ich mich heute schenken?“ Also sagte ich zu: „Na klar, für euch beiden gibt’s jetzt ne Spezialführung!“- „Cool, wir besuchen hier unsere Oma, und das ist so langweilig. Da haben wir gedacht, wir gehen einfach mal hier herum. Und dann hat uns die riesige Kirche interessiert!“  Sie strahlten mich an und kamen mit in die Kirche. Die Größe des Raumes faszinierte sie. Ergriffen und angerührt standen sie vor mir. Ich begann von mir zu erzählen und ich spürte, wie ich unter ihrem Horizont ankam. Als ich die Worte „Priester“ und „Messe“ fallen ließ, fragte mich einer: „Was, finden hier Versteigerungen statt?“ Sofort war mir klar, dass sie mit Kirche wenige Berührung, aber viele Fragen im Herzen hatten, auf die ich mit Details des Bauwerkes antwortete. Es wurde eine gemeinsame spannende Stunde, die wir in der Kirche verbrachten. Als ich die beiden verabschiedete, sagte der Ältere: „Boh, das war so cool. Ich war noch nie in einer Kirche. Und dass du uns alles so super erklärt hast, war total spannend, also: DANKE!“ Dann ging’s zurück zu Oma.

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